Kaum auf freiem Fuß droht iranischen Journalistinnen neue Anklage

Die iranischen Journalistinnen Niloofar Hamedi (rechts) und Elahe Mohammadi Foto: Sahand Taki Sharq/News Online/AFP

Vor wenigen Tagen sind Niloofar Hamedi und Elahe Mohammadi gegen Kaution aus dem berüchtigten Evim-Gefängnis entlassen worden. Doch weil sich die beiden Journalistinnen nach ihrer Entlassung ohne Hidschab zeigten und fotografiert wurden, sollen sie dafür strafrechtlich verfolgt werden, schreibt „Reporter ohne Grenzen“ in einer Pressemeldung und fordert das Ende der gerichtlichen Schikanen. HP
 

Der DJV Hessen hatte Niloofar Hamedi im vergangenen Jahr die „Feder für die Pressefreiheit“ verliehen.

 

  • Mehr Informationen finden Sie dazu unter:

- de.wikipedia.org/wiki/Feder_f%C3%BCr_die_Pressefreiheit
- Die Übergabe der „Feder für die Pressefreiheit“ 2023 auf YouTube: youtu.be/IIwtzhuLufE

In seiner Pressemeldung fordert Reporter ohne Grenzen (RSF) ein Ende der gerichtlichen Schikanen gegen Nilufar Hamedi und Elahe Mohammadi. Die beiden bekannten iranischen Journalistinnen wurden nach 15 Monaten Haft am 14. Januar gegen Kaution vorübergehend freigelassen. Weil sie auf Fotos jedoch ohne den im Iran verpflichtenden Hidschab zu sehen sind, droht ihnen erneut Haft.

„Nach monatelangen Bemühungen um ihre Freilassung waren wir erleichtert, Nilufar Hamedi und Elahe Mohammadi lächelnd außerhalb der Mauern des Evin-Gefängnisses zu sehen“, sagte RSF-Vorstandssprecherin Katja Gloger. „Doch die Freude währte nur kurz. Wir fordern die endgültige und bedingungslose Freilassung dieser beiden mutigen Journalistinnen und ein Ende der Torturen durch das iranische Regime.“

Nur einen Tag nach ihrer Freilassung kündigten die Justizbehörden an, Hamedi und Mohammadi strafrechtlich zu verfolgen, weil sie sich in der Öffentlichkeit ohne Hidschab gezeigt hatten. Am Abend des 14. Januar kursierten in den sozialen Medien Fotos, auf denen die beiden Journalistinnen gemeinsam vor dem Evin-Gefängnis stehen, jeweils ohne das Haar so zu bedecken, wie es im Iran noch immer vorgeschrieben ist.

Hamedi und Mohammadi hatten im September 2022 als erste über den Tod der kurdischen Studentin Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam berichtet. Dafür wurden sie eingesperrt, wegen „Zusammenarbeit mit dem feindlichen Staat USA“, „Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“ und „staatsfeindlicher Propaganda“ angeklagt und schließlich im Oktober 2023 zu sieben (Hamedi) und sechs (Mohammadi) Jahren Haft im Evin-Gefängnis verurteilt. Dieses Gefängnis ist für Folter berüchtigt.

Am 14. Januar kamen sie gegen eine hohe Kaution von umgerechnet jeweils 185.000 Euro und unter der Auflage, den Iran nicht zu verlassen, aus dem Gefängnis frei. Weil ihre jeweiligen Berufungsprozesse gegen die langen Haftstrafen noch ausstehen, können die iranischen Behörden ihnen die Freiheit jederzeit entziehen. Laut der quasistaatlichen Nachrichtenagentur Tasnim bleiben Hamedi und Mohammadi zwar bis zur Entscheidung des Berufungsgerichts in Freiheit. In der Vergangenheit sind jedoch vorläufig entlassene Journalistinnen und Journalisten immer wieder inhaftiert worden, häufig unter fadenscheinigen Gründen.

Seit Beginn der Proteste der „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung, die nach dem gewaltsamen Tod von Jina Mahsa Amini ein Ende der Unterdrückung im Iran gefordert hatte, sind mindestens 85 Medienschaffende verhaftet worden. Nilufar Hamedi arbeitete für die Tageszeitung Shargh Daily und hatte ein Foto der trauernden Angehörigen von Amini aus dem Krankenhaus veröffentlicht, in dem diese kurz zuvor gestorben war. Elahe Mohammadi war Reporterin bei der lange Zeit verbotenen Tageszeitung Ham Mihan und berichtete als einzige über Aminis Beerdigung in Saqqez, Aminis kurdischer Heimatstadt. Hamedi wurde am 22., Mohammadi am 29. September 2022 verhaftet.

Neben 17 Journalisten sind im Iran derzeit noch vier Journalistinnen inhaftiert: Vida Rabbani, Saida Schafiei, Nasim Sultan Beigi und Narges Mohammadi, die 2023 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und weiterhin schikaniert wird, weil sie sich auch aus dem Gefängnis heraus für ihre inhaftierten Kolleginnen eingesetzt hat.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen steht der Iran auf Rang 177 von 180.

A K T U E L L E S


Blickpunkt Ausgabe 4/2023

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