Preisverleihung "PresseFoto Hessen-Thüringen 2019"

Die Anweisung der Parteiregie hat ja geradezu herausgefordert zu visuellen Interpretationen: Bevor sich die drei Bewerber um den CDU-Vorsitz auf acht Regionalkonferenzen vorstellen konnten, musste basisdemokratisch ausgelost werden, in welcher Reihenfolge sie das Wort ergreifen durften. Und natürlich verleitete die gezogene Nummer zur Vorwegnahme des künftigen Wahlergebnisses. Einen dieser kuriosen Momente bei der Vergabe des Rederechts hat Bodo Schackow im Thüringer Ilmenaukreis festgehalten. Und mit seiner symbolträchtigen Momentaufnahme aus einem innerparteilichen Machtkampf um die Nachfolge von Angela Merkel nach Einschätzung der Jury des Wettbewerbs Presse-Foto Hessen-Thüringen der DJV-Landesverbände Hessen und Thüringen das „Foto des Jahres“ gemacht. Am Dienstag ist der selbstständige Fotojournalist aus Gera dafür im Thüringer Landtag ausgezeichnet worden. 

Schackows Aufnahme ist vielschichtig: Auf den ersten Blick hat Friedrich Merz die Nummer eins in der Hand, Jens Spahn die Karte mit der zwei, und für Annegret Kramp-Karrenbauer bleibt folglich nur Bronze. Aber wenn man mit dem heutigen Kenntnisstand auf diese Szene zurückblendet und die Körpersprache der drei Protagonisten auf sich wirken lässt, erzählt das Bild eine ganz andere Geschichte. Merz, leicht im Abseits, freut sich mit seinem schelmischen Lächeln zu früh (wie das Wahlergebnis wenige Wochen später auf dem CDU-Parteitag bekanntermaßen zeigen sollte); Spahn ist in unfreiwilliger Verrenkung vor AKK kaum zu erkennen und die vermeintlich Letzte in ihrer vornehmen Zurückhaltung wird schließlich doch die Erste sein. 

Präzise und relevant

Ein Foto, das laut Laudator Matthias Haupt, Leiter der Kommunikation und Information des Hauptsponsors, der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen, die Kriterien des Fotowettbewerbs mustergültig erfüllt: handwerkliche Präzision und politische Relevanz. Dass dafür seit 13 Jahren nach wie vor eine Fülle eindrucksvoller und preisverdächtiger Belege von Fotografinnen und Fotografen aus Hessen und Thüringen eingereicht worden sind, sei einer der Gründe, warum die Gruppe diesen Wettbewerb nach wie vor fördere. 

Der Meisterfotograf selbst ist nach eigenen Angaben überrascht von seiner Überzeugungskraft. Vor Jahren hat der selbstständige Bildjournalist mit einer Fotoreportage aus einem Seniorenwohnheim bereits die beste Serie abgeliefert. Bei seiner Studie der drei CDU-Granden ist ihm zwar auch das offensichtliche Zerwürfnis unter diesen ins Auge gesprungen. Prophetische Gaben, wie sie ihm der Laudator zugeschrieben hat, beansprucht er aber nicht für sich.

In sechs weiteren Kategorien sind Preise verliehen worden (siehe Kasten). Zudem ist der freie Thüringer Landtagskorrespondent Sebastian Haak mit dem Journalistenpreis des DJV Thüringen ausgezeichnet worden.

„Nicht fair gehandelt“

Der Direktor des mdr-Landesfunkhauses Thüringen, Boris Lochthofen, warb in einer eindringlichen Rede um Unterstützung zum Erhalt eines starken Lokaljournalismus. Angesichts der Marktdominanz von Google und Facebook seien deutsche Verlager mittlerweile „nicht mehr Tchibo, sondern nur noch Bohnenproduzent. Und es wird noch nicht einmal fair gehandelt“. 

Um flächendeckenden und kleinteiligen Journalismus zu stützen und perspektivisch zu erhalten, forderte Lochthofen, das Datenvermögen zu demokratisieren, Förderprogramme zum Erhalt der regionalen Vielfalt aufzulegen („wenn eine Lokalredaktion einmal dicht gemacht worden ist, macht sie keiner mehr auf“) und Verlagshäuser zu stabilisieren, „ehe sich noch mehr aus dem Geschäft zurückziehen“. Für diese Forderungen bekam er auch Zustimmung vom stellvertretenden Vorsitzenden des DJV Hessen, Jörg Steinbach, der die Veranstaltung moderierte. Andreas Lang 

Alle Fotos finden Sie im Fotokatalog 2019


Foto-Wettbewerb

Die besten Fotos von Journalistinnen und Journalisten in Hessen und Thüringen.

 

 


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