Deniz Yücel eröffnet Festspiele in Bad Hersfeld

Seine Körpersprache war lässig, die Beine waren locker übereinander geschlagen, aber die Botschaft war eisenhart: Mit einer politischen Rede hat der Journalist Deniz Yücel die 69. Bad Hersfelder Festspiele eröffnet. Der aus dem südhessischen Flörsheim stammende Korrespondent der "Welt" war auf Einladung des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, Michael Roth, nach Osthessen gekommen.

Deniz Yücel eröffnet Bad Hersfelder Festspiele/Foto: Karsten Socher

Der in der Region beheimatete SPD-Politiker Roth war auf den Gedanken gekommen, Yücel als Festredner zu gewinnen, weil die Saison in der Stiftsruine mit Franz Kafkas Stück „Der Prozess“ eröffnet worden ist. Parallelen zur Biografie des Journalisten, der wegen des Vorwurfs der Verbreitung von Terrorpropaganda fast ein Jahr lang in der Türkei inhaftiert war, sind evident.

Was als lockere Plauderei begann – Yücels Seelenverwandtschaft mit Josef K., dem Protagonisten von Kafkas surrealem Roman -, verwandelte sich phasenweise in eine bittere Abrechnung mit Behörden, unter deren Willkür beide zu leiden hatten. Yücel griff dabei nicht nur die türkische Bürokratie an, die Präsident Erdogan willfährig zu Diensten gewesen und erst in jüngster Vergangenheit vorsichtig zurückgerudert sei.

Überraschend hart ging Yücel auch mit dem hessischen Verfassungsschutz ins Gericht, der die „gefährlichste Behörde Deutschlands“ darstelle. Die Ermordung des Kasseler Internet-Café-Besitzers Halit Yozgat durch Mitglieder des NSU habe diese nicht verhindern können, obwohl ein V-Mann des hessischen Landesamtes sich unmittelbar am Tatort aufgehalten habe. Auch mit diesem Vorfall habe die Behörde bewiesen, dass sie „nicht reformfähig“ sei. Folglich gehöre sie aufgelöst.

Ein Urteil, dem Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) beherrscht, aber bestimmt widersprach. Vor fast 1300 Zuhörern würdigte er die Verdienste des Landesamtes, deren Mitarbeiter manche Straftat verhindert hätten. Yücels Urteil sei daher grundfalsch und ungerecht, konterte Bouffier und bekam für diese Bewertung vergleichbar viel Applaus wie Yücel.

Gleichwohl konnte sich der Ministerpräsident ehrlich darüber freuen, dem Journalisten in Freiheit zu begegnen. Das gelte beispielsweise nicht für den früheren Gouverneur der Provinz Bursa, über dessen Verbleib Bouffier sich bisher vergeblich erkundigt hat. Eingaben und Anfragen blieben in beharrlicher Weise unbeantwortet.
 
Yücel hatte der Romanfigur Josef K., der er sich über einen „Bund der Knackis“ verbunden fühlt, sieben Ratschläge für den Umgang mit Willkür und Ungerechtigkeiten gegeben. Der erste, „sei nicht naiv“, hatte ihn gleich zur harschen Abrechnung mit dem hessischen Verfassungsschutz geführt. Beim letzten, „gib niemals auf“, fühlte er sich am weitesten entfernt von seinem Seelenbruder, der letztlich vor den Mühlen der Justiz kapitulierte und sich in sein absurdes Schicksal ergab.
 
Die zeitgemäße Inszenierung von Regisseur Joern Hinkel vor imposanter, halboffener Kulisse wurde mit anhaltendem Applaus quittiert. Zum Ensemble gehören neben dem ausdrucksstarken Hauptdarsteller Ronny Miersch auch Marianne Sägebrecht, Ingrid Steeger und Thorsten Nindel. Andreas Lang

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