12.11.2018,

Vortrag über Burnout und Depression

Auf der Sitzung des Fachausschusses Audiovisuelle Medien (AVM) standen dieses Mal die Themen Burnout, Depression und Suizid im Mittelpunkt. Als Referentin eines Implusvortrages war Inga Beig eingeladen. Die Psychologin vom Frankfurter Gesundheitsamt ist Koordinatorin des Frankfurter Netzwerkes für Suizidprävention (FRANS). Der DJV-Hessen hat sich bereits häufiger damit beschäftigt und Artikel im Blickpunkt 4/17 sowie 3/18 veröffentlicht: www.djv-hessen.de/landesverband/blickpunkt/

AVM-Sitzung im hr: Psychologin Inga Beig hält einen Vortrag über Burnout und Depression / Foto: Wolfgang Kühner

AVM-Sitzung im hr: Psychologin Inga Beig hält einen Vortrag über Burnout und Depression / Foto: Wolfgang Kühner

Anstoß dazu hat zuletzt Jens Brehl, Vorsitzender des DJV-Ortsverbandes Osthessen, gegeben. Er hatte vor zehn Jahren die Diagnose „depressives Erschöpfungssyndrom“ gestellt bekommen. Inzwischen hat der freie Journalist die Krise erfolgreich überwunden und ein Buch „Mein Weg aus dem Burnout“ geschrieben.

„Was ist Burnout überhaupt?“, fragt die Psychologin in die Runde der AVM-Mitglieder. Ist es eine Diagnose oder eine „Modeerscheinung“? Ganz klar ist es tatsächlich noch nicht allen. Im Gegensatz zu Depression ist Burnout keine medizinische Diagnose. Bereits seit den 1970er Jahren gibt es den Begriff. Aber was sich dahinter verbirgt, ist nicht immer eindeutig. Denn viele Symptome können in beiden Bereichen auftauchen. Deshalb sollten  Betroffene unbedingt professionalen Rat einholen. Bei den richtigen Experten gibt es auf jeden Fall die passende Therapie – egal ob bei Burnout oder Depression.

Psychische Erkrankungen sind noch immer stigmatisiert

Bei Burnout können beispielsweise bereits Entspannungsübungen oder Anleitungen zur Stressbewältigung den Leidensdruck lindern oder sogar ganz nehmen. „Hält ein Burnout dagegen länger an, desto eher kann man in eine Depression hineinrutschen“, warnt Psychologin Beig. Leider sind psychische Beschwerden in unserer Gesellschaft noch immer stigmatisiert und halten viele davon ab Rat zu suchen. Inga Beig empfiehlt, sich genauso selbstverständlich wie beim Beinbruch oder einer Grippe behandeln zu lassen.

Die Ursachen für ein Burnout sind vielfältig. Vielleicht fehlt die benötigte Unterstützung oder Wertschätzung. Vielleicht ist der Handlungsspielraum zu klein, das Arbeitspensum zu groß oder die Regenerationsphasen zu kurz.

Auch die Merkmale für ein Burnout sind unterschiedlich: Es können beispielsweise Schlaf- oder Konzentrationsstörungen auftreten. Nur schwer nach der Arbeit abschalten können oder eine ständige Erschöpfung sind ebenfalls Signale. Deshalb ist es wichtig, solche Beschwerden fachmännisch abklären zu lassen.

Seit 2013 nimmt der Gesetzgeber die Unternehmen zwar stärker in die Verantwortung, die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten zu schützen, aber bei vielen Journalisten ist das noch nicht angekommen. Vor allem Freiberufler stehen häufig unter großem Leistungsdruck.

Die Arbeitsgruppe „Burnout“ vom  DJV-Hessen widmet sich dem Thema und gibt Informationen. Koordinatorin ist Sylvia Kuck, Vorsitzende des Ortsverbandes Wiesbaden und des Fachausschusses AVM.

Etwa 10.000 Menschen begehen jährlich Suizid


„Man muss mit dem Thema rausgehen“, appelliert die Psychologin und weist daraufhin, dass Jahr für Jahr etwa 10.000 Menschen Suizid begehen. Unfalltote gibt es rund 3.000 jährlich zu beklagen. Damit sind wir als Journalisten nicht nur als mögliche Betroffene angesprochen, sondern als Berichterstatter. Denn ein sensibler Umgang und positive Informationen können Leben retten. Aber auch umgekehrt. Inga Beig nennt es den Werther-Effekt, wonach konkrete Beschreibungen von einem Suizid Nachahmer finden kann.

Die positive Beschreibung wie ein an Depressionen erkrankter Mensch wieder ins Leben zurückgefunden hat, kann im Gegensatz dazu, den Lebensmut wieder entfachen – der sogenannte Papageno-Effekt.

„Erzählen Sie vom Leben“, sagt Inga Beig und beendet ihren Vortrag mit einem ermutigenden Video von TV-Journalist Mario Dieringer (Trees of memory, info@footpath-of-lif.com). Sein Lebensgefährte hat Suizid begangen. Heike Parakenings



  • Bei der Suche nach einem Therapieplatz hilft die regionale Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Telefon: 069-40 05 00 00  

 

Weitere Informationen:

Arbeitsgruppe "Burnout" DJV-Hessen, Sylvia Kuck (kuck(at)djvhessen.de 0171-53 312 93)

FRANS: www.frans-hilft.de

www.telefonseelsorge.de

Aktuelle Statistiken:
www.kriseninterventionszentrum.at/suizidverhuetung.htm

WHO-Empfehlungen: www.who.int/mental_health/prevention/suicide/resource_media.pdf

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention:
www.suizidpraevention-deutschland.de/filead-min/user_upload/Flyer/pdf-dateien/NASPRO-Medien-empfehlungen-2010.pdf


Termine

Zur Zeit liegen keine geplanten Termine vor.