15.05.2017,

Social Bots in Zeiten des Wahlkampfs

Wiesbaden/Frankfurt, 15. Mai 2017 - Die Bezeichnung „Fake News" verwendet er gar nicht gern. Jan Eggers, Mulitmedia-Redakteur beim Hessischen Rundfunk spricht lieber von Übertreibungen und Online-Lügen.

Montage: Jan Eggers

Bei seinem Impuls für den Landesfachausschuss Audio-Visuelle-Medien (AVM am 11. Mai) hat er jede Menge Beispiele für ausgedachte Dinge und ihre realen Folgen parat: vom PizzaGate-Skandal bis zu Fake-Accounts von Rechtspopulisten, die mit Hilfe von Maschinen in kurzer Zeit extrem viel posten; immer mit einem gewissen Spin („Desinformation als politische Waffe").

Jan Eggers bezeichnet sich spaßeshalber auch als „Nerd vom Dienst". Bei der Diskussion in Frankfurt berichtet er von „Petersburger Trollfabriken" und von XY-Einzelfall (Account, der Polizeiberichte gezielt nach Straftaten von Ausländern durchsucht). Nach seiner Beschreibung funktionieren Social Bots wie Bomben, deren Antrieb sogenannte Echokammern sind; also Kreise, die sich emotional über die Falschmeldung echauffieren und sie weiter verbreiten.
Er ist skeptisch ob die Sammelstellen für solche Nachrichten beim Bayerischen Rundfunk, dem Spiegel, der Tagesschau-Redaktion oder dem ZDF viel nützen. Auch Bundesjustizminister Heiko Maas plant im Vorfeld der Bundestagswahl ein Plattform-Gesetz. Trotzdem zeigt sich der Multimediaredakteur zuversichtlich, dass Virenscanner, praktizierte Nettikette in Online-Redaktionen und aufklärerische Initiativen auf die Dauer erfolgreich sein werden. Er traut auch den Nachrichten-Endverbrauchern zu immer kritischer zu werden. Und schließlich wird seiner Einschätzung nach gründliche journalistische Recherche zunehmend an Wertschätzung gewinnen. sk

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