14.06.2017,

Nicht mit uns

Wiesbaden, 14.6.2017 – Ein nicht gedrucktes Foto und ein weißer Fleck auf den Titelseiten von zwei Ausgaben des Darmstädter Echo zieht Kreise in der Öffentlichkeit. Anerkennung gebührt dafür dem zuständigen Chefredakteur Lars Hennemann.

Fotos: Hans Dieter Erlenbach

Der DJV Hessen begrüßt ausdrücklich die entschlossene Entscheidung des Chefredakteurs Lars Hennemann vom Darmstädter Echo, auf der Titelseite kein Foto der Band „Kings of Leon“ zu bringen. Vom Hessentags-Auftritt der Band in Rüsselsheim gab es in den Ausgaben Main-Spitze und Gross-Gerauer Echo am 13. Juni 2017 kein Foto. Stattdessen erschienen die Ausgaben mit einer weißen Fläche auf der Titelseite.

Laut Angaben der Redaktion verlangte die Agentur, dass nur ein Foto veröffentlicht werde, die Fotos nicht archiviert und nicht online gestellt würden.

„Die Dreistigkeit mit der Manager bzw. Konzertagenturen versuchen, mit Knebelverträgen ihre „Schützlinge“ in ein gewolltes Bild zu setzen und damit die Berichterstattung zu beeinflussen, ist nicht hinnehmbar, sagte der 2. Vorsitzende des DJV Hessen, Knud Zilian, „Respekt vor dieser Entscheidung, die hoffentlich viele Nachahmer findet.“

Chefredakteur Lars Hennemann empörte sich vor allem darüber, dass die Bedingungen vor dem Konzert nicht bekannt waren. „Wenn wir das vorher gewusst hätten, hätten wir einen kleinen Text ohne Foto veröffentlicht,“ sagte er. Stattdessen sei der Fotograf vor Ort mit dem Vertrag konfrontiert worden, den er hätte unterschreiben sollen. Der Vertrag habe nur einfach ausgefertigt vorgelegen und hätte ohne Unterschrift der Gegenseite blanko unterschrieben werden sollen. Daraufhin fotografierte der Fotograf das Papier ab.

Seit Jahren warnt der DJV davor, diese Knebelverträge zu akzeptieren. Einschränkung in der Wahl und Platzierung von Fotos sei nicht mit freier Berichterstattung zu vereinbaren.

Es ist nicht neu, dass vor allem die Konzertberichterstattung durch Verträge beeinflusst werden soll. Fotografinnen und Fotografen, die nicht unterschreiben, werden von den Terminen ausgeschlossen. Es gibt genügend prominente Beispiele dafür, von Herbert Grönemeyer, Helene Fischer, Rammstein oder Coldplay über Melissa Etheridge und Lenny Kravitz bis Beyoncé und The Prodigy. Zu den Vertragsbedingungen bei  Konzerten von Bryan Adams, Iron Maiden und Alive and Swinging wurde dem DJV Hessen bereits von einem Mitglied berichtet:

Während des Auftritts von „Alive and Swingin´" sind Aufnahmen ausschließlich nach Beendigung der Anmoderation während der Darbietung des Musiktitels „THAT´S AMORE", bei welchem alle vier Künstler gemeinsam auf der Bühne auftreten, nur ohne Einsatz von Blitzlicht und/oder anderen störenden Lichteffekten UND NUR VON ALLEN VIER KÜNSTLERN GEMEINSAM zulässig. Mit Abschluss des vorbezeichneten Musiktitels hat MEDIENPARTNER ohne weitere Aufforderung das Anfertigen von Aufnahmen einzustellen und sich vom ihm jeweils zugewiesenen Arbeitsbereich sowie dem Bühnenbereich zurückzuziehen.

„Diese Reglementierungen,“ merkte Lars Hennemann an, „sind besonders lächerlich, wenn man an all die Aufnahmen mit Smartphones denkt, die dann zu Hunderten in den sozialen Medien veröffentlicht werden.“

Termine

26.06.2017,

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