04.04.2017,

LPR-Forum Medienzukunft

Wiesbaden, 3. April 2017 – Das 8. lpr-forum medienzukunft fand am 30. März im Palais Frankfurt in der Frankfurter Innenstadt mit zirka 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Das Thema lautete „Im Universum der Fiktion“.

lpr-forum-medienzukunft am 30.März 2027 im Palais Frankfurt in der Innenstadt Frankfurts.

Joachim Becker, Direktor der LPR Hessen, eröffnete das Forum.

Keynote von Philip N. Howard, Professor of Internet Studies at the Oxford Internet Institute.

Yvette Gerner, ZDF, Ingrid Scheithauer, Moderation, Miriam Mogge und Sami Boussaid, FactFox, Fritz Iversen, schmalbart.de. Fotos: Sonja Lehnert

Anonymität und Pseudoidentitäten im Internet laden ein, die Grenzen des „guten Geschmacks“ zu überschreiten. Damit leitete Joachim Becker, Direktor der LPR Hessen, das Forum ein. Doch gehe es noch weiter: „Lügen, Verschwörungstheorien und andere Formen von Propaganda werden dabei vor allem in sozialen Netzen gezielt eingesetzt – zum Nutzen einiger Akteure, zum Schaden des Gemeinwesens und der Demokratie“, kritisierte er. Die Polarisierung politischer Meinung, auch mit der Zuhilfenahme von Social Bots, die vorgeben, echte Menschen im Netz zu sein, gefährdeten den demokratischen  Diskurs in einer offenen Gesellschaft. Wer diese Algorithmen beherrsche, könne Fakenews und Hassbotschaften ohne Weiteres verbreiten.

Philip N. Howard, Professor of Internet Studies at the Oxford Internet Institute, schaute hinter die Arbeitsweise dieser  Roboter, derer sich die Sozialen Netzwerke bei Bedarf bedienen könnten. Es seien miteinander verbundene, automatisierte Accounts, die einander folgten und miteinander kommunizierten. Die Netzwerke bestünden oft aus hunderten davon, die aber von einem einzigen Betreiber und einem einzigen Computer bedient würden und  Attacken und Lügen verbreiten könnten. Nur Facebook und Twitter wüssten, wie allgegenwärtig Fake News und Desinformationskampagnen zum Beispiel während des Brexit  Referendums und der US-Präsidentenwahl gewesen seien.

Ein erschreckendes Szenario also auch für die bevorstehende Bundestagswahl? Bettina Gaus, politische Korrespondentin der tageszeitung (taz) urteilte, dass das Beispiel Trump für die demokratische Kultur vielleicht eine Art Katharsis-Effekt bewirken könne. Sie argumentierte, dass viele potenzielle Protestwähler jetzt erfahren müssten, dass Trump im politischen Alltag scheitere.


Mögliche Falschaussagen durchleuchten

Verschiedene Initiativen sind schon jetzt unterwegs, Falschaussagen, Unsachlichkeit, Dauerpolemik und Vorurteilen auf die Spur zu kommen. Auf dem Podium stellte sich www.schmalbart.de vor, ein zivilgesellschaftliches Projekt, das in der Absicht gegründet wurde, mit Fakten und Aufklärung gegen die antiliberalen Inhalte von Breitbart News zu kämpfen. 
 
Es stellte sich die Browser-App FactFox vor, initiiert von ein Team des Bayerischen Rundfunks. Sie soll dabei helfen, auf häufig wiederkehrende falsche Kommentare Antworten zu geben, die nicht jeweils einzeln formuliert werden müssen, sondern aus einer Datenbank mit Fact-Sheets abgerufen werden können.

Eine solide Recherche im Rahmen der Bundestagswahl verspricht #ZDFcheck17, ein Portal unter der Patenschaft des Heute Journals. Ende Mai soll es auf Sendung gehen und mit Verlässlichkeit und Transparenz Politikerreden und deren  Themen durchleuchten.

Lene Jakat, Deskchefin von Süddeutsche Zeitung Online, fasste abschließend in ihrem Fazit zusammen, dass Fakenews nicht verhindert werden könnten, aber man lernen könne, sie zu erkennen. Deshalb sei es so wichtig, in die Medienbildung zu investieren. Und Journalistinnen und Journalisten seien gefragt, einer gefühlten Wahrheit, die durch falsche Aussagen aufgestellt werde, Fakten entgegenzusetzen. Sie müssten Kontext, Hintergründe und Transparenz liefern. Orientierungspunkt dafür sei ein „mächtiges Narrativ: die Wahrheit“.

Termine

13.11.2017,

DJV Hessen-Seminar: Krisen PR für Einsteiger

14.11.2017,

DJV Hessen-Seminar: Krisen PR für Fortgeschrittene

30.11.2017,

DJV Hessen Seminar: Urheberrecht und Internet. Selbstständig im world wide web

04.12.2017,

DJV Hessen-Seminar: Facebook für Fortgeschrittene