07.10.2016,

Kommentar: „Ströer-Feuer“ aus Berlin

Wiesbaden, 7. Oktober 2016 - Wer nach einem Beispiel schlechter Unternehmenskultur gesucht hätte, wäre am 5.10.2016 bei der Abteilungsversammlung der T-Online-Redaktion in Darmstadt fündig geworden.

Hintergrund war der Verkauf des Nachrichtenportals von T-Online durch die Telekom an die Ströer-Digital-Publishing GmbH im Rahmen eines Betriebsüberganges. Kürzlich verkündete Ströer, den Betrieb der Redaktion in Darmstadt mit 108 Mitarbeitern stillzulegen und das Nachrichtenportal künftig durch eine neu zu besetzende Redaktion in Berlin betreuen zu lassen.

Wer vom Arbeitgeber auf die drängenden Fragen der betroffenen Kolleginnen und Kollegen nun halbwegs verbindliche Antworten erwartet hatte, sah sich enttäuscht. Bei der Abteilungsversammlung erlebte man einen völlig überforderten Vertreter der Arbeitgeberseite, der nicht annähernd die Hälfte der an ihn gerichteten Fragen zu beantworten wusste. Sein anfänglicher Hinweis, wonach er als Arbeitsjurist in die „operativen Geschäfte“ des Unternehmens nicht so eingebunden sei, vermochte wenig überzeugen. Schlüssige Antworten auf das Wie und Warum sowie nach der Umsetzung der Betriebsschließung blieben aus, ebenso wie Informationen über einen Wechsel nach Berlin bzw. eine dortige Bewerbung, über die beruflichen Anforderungen und dergleichen mehr.

Dass sich Beschäftigte in einer Situation, in der eine Betriebsschließung ansteht, die ohnehin mit dem Verlust des Arbeitsplatzes endet, um die eigene berufliche Zukunft sorgen, dürfte selbst dem Unternehmen Ströer nicht fremd sein. Sie sollten vom Arbeitgeber verbindliche Aussagen erwarten können. Um so dreister ist die ignorante Teilnahmslosigkeit der Geschäftsführung, die sich offenbar vor solch unliebsamen Auftritten „drückt“. Statt selbst Rede und Antwort zu stehen, betraut sie eine völlig unwissende und eine für Auskünfte nichtautorisierte Vertretung. Ein Mehr an Geringschätzung des Arbeitgebers als Synonym dafür, dass ihr jetzt nicht mehr gebraucht werdet, ist kaum noch möglich. Hinzukommt die von Arbeitgeberseite unterschwellig losgetretene Qualitätsdebatte, wonach die Qualität der von der  Darmstädter Redaktion geleistete Arbeit angeblich zu wünschen übrigließe,
- „ein Schelm, der dabei Böses denkt“.  

Hingegen scheint Ströer ziemlich sicher zu sein, dass in Berlin mit einer schlechter bezahlten Redaktionsmannschaft ein qualitativ höherwertiges Portal hervorgebracht werden kann. Spätestens hier wird deutlich, worum es dem Unternehmen in Wirklichkeit geht: Es geht um eine schiere Gewinnmaximierung, der eine angeblich hochbezahlte Redaktion im Wege steht.   

Die Mitglieder des DJV Hessen dürfen sich bei eventuell anstehenden rechtlichen Auseinandersetzungen jeglicher Unterstützung sicher sein. wf

Termine

26.03.2019,

26. März 2019, Praxisworkshop: So gelingen bessere Pressefotos

27.03.2019,

DJV Hessen-Seminar: "Bloggen für Anfänger"

28.03.2019,

DJV Hessen-Seminar: "Bloggen für Fortgeschrittene"

12.04.2019,

DJV Hessen-Seminar: "Netzrecherche von Google bis Twitter"

16.05.2019,

DJV Hessen-Seminar: “Websites mit WordPress erstellen sich von selbst“ ODER?

27.05.2019,

DJV Hessen-Seminar: "Facebook & Co, live für Journalisten" Fortgeschrittene