19.10.2017,

Initiative Qualität im Journalismus

Wiesbaden/Berlin, 19. Oktober 2017 – „Mit Qualität gegen Lügen und Hass im Netz“ lautete das Leitmotiv des neunten IQ-Herbstforums in Berlin. Rund 80 Fachleute der Medienbranche diskutierten am 16. Oktober im Funkhaus des Deutschlandradios in Berlin.

Rike Woelk, Jutta Kramm, Stefan Niggemeier, Stephan Ruß-Mohl, Mario Sixtus und Moderator Werner Lauff (v.l.n.r.)

Ellen Wesemüller brachte eine praktische Anleitung für Redaktionen mit

Ellen Wesemüller, Dr. Wiebke Loosen, Heinrich Maria Löbbers, Andreas Völkel und Andreas Vogel mit Moderator Werner Lauff (v.l.n.r.)

Ulrike Kaiser: Wir können nur mit Qualität unsere gesellschaftliche Rolle erfüllen Fotos: Sonja Lehnert

In zwei Themenblöcken sprachen die Teilnehmenden über Lösungen, wie Fake News und dem damit verbundenen Vertrauensverlust der Medien entgegenzuwirken sei sowie über den Umgang mit Hassbotschaften in den Redaktionen.

Andreas-Peter Weber, Programmdirektor des Deutschlandradios, forderte in seiner Begrüßung Qualität gegen Lügen und Hass in allen Ausspielwegen einzusetzen. Lüge und Hass gehörten zwar zur Menschheitsgeschichte, doch mit den neuen Medien habe sich auch die Kommunikation verändert. Vertrauen und Glaubwürdigkeit würden in Frage gestellt, sie seien nur zurückzugewinnen bzw. zu erhalten, wenn der Journalismus besser sei als das, was seine Gegner bieten.

Tanjev Schultz, Journalistik-Professor der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, brachte in seinem Impulsreferat die Begriffe Skeptiker und Zyniker ins Spiel. „Das Krakeelen verfängt bei uns allen. Doch sollten wir den ewigen Zynikern nicht länger hinterherlaufen, sondern damit beginnen, die Skeptiker wieder zurückzugewinnen,“ sagte er. Schultz ist Mitautor einer Studie, die den Vertrauensverlust der Medien relativiert und differenziert.

Initiativen gegen Fakes stellten Rike Woelk, stellvertretende Redaktionsleiterin von tagesschau.de und zuständig für das Anti-Fake-News-Portal faktenfinder.tagesschau.de, und Jutta Kramm, Leiterin des Fact-Checking-Ressorts beim Recherchezentrum Correct!v, vor. Das Projekt Fact-Checking befindet sich noch in der Probephase in der Kooperation mit Facebook. Jutta Kramm sagte, „Fakten-Check ist Qualitätsarbeit und dauert seine Zeit. Aber er muss schneller werden. Fake-News verbreiten sich nunmal rasend schnell.“

Zur Diskussionsrunde auf dem Podium kamen der Medienfachjournalist Stefan Niggemeier (Bildblog.de, uebermedien.de), Stephan Ruß-Mohl, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Lugano, und der Journalist und Filmemacher Mario Sixtus dazu. Neben einem Perspektivwechsel, an den Niggemeier erinnerte, bei dem die JournalistInnen nicht mehr nur „Sender“ sondern auch „Empfänger“ seien, müsse es ebenso Aufgabe der gesamten Gesellschaft sein, Verantwortung zu übernehmen. Fakten checken sei das eine, aber das andere sei zu erkennen, was in den „dunklen Ecken der Gesellschaft“ geschehe und was im Land tatsächlich los sei, bekräftigte Jutta Kramm. Rike Woelk ergänzte, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk, sprich zum Beispiel die Tagesthemen, die besondere Aufgabe habe, gesicherte Informationen weiterzugeben und damit Verantwortung zu übernehmen. Ruß-Mohl bedauerte, dass die Printmedien ihre Berichterstattung heruntergefahren haben und nicht mehr über den simplen Alltag derjenigen berichteten, die als Leser und Leserinnen in Frage kämen. Die Lebenswelten dieser Menschen seien nicht mehr abgebildet. Stattdessen, warf Sixtus ein, basierten Wahrheiten in bestimmten Kreisen nicht mehr auf Fakten. Aus dem Plenum kam der Einwand, dass die Medienbildung eventuell  im Bildungskatalog vernachlässigt wurde und die Kultusministerien in die Diskussion eingebunden werden sollten. Das jedoch sei nicht weit genug gegriffen. „Wir müssen uns um die Erwachsenen kümmern,“ sagte Jutta Kramm.

Was tun bei Hass-Botschaften?

Den zweiten Block am Nachmittag „Agieren und reagieren: Redaktionelle Antworten auf Hassbotschaften“ eröffnete Ellen Wesemüller von „Neue deutsche Medienmacher" mit einem Impulsreferat. Mit dem „Leitfaden für JournalistInnen im Umgang mit Hate Speech im Netz“ legte sie gleichzeitig eine praktische Anleitung für Redaktionen vor. Zur anschließenden Diskussion kamen dazu Dr. Wiebke Loosen, Mitarbeiterin des Hans-Bredow-Instituts und Privatdozentin der Universität Hamburg, Heinrich Maria Löbbers von der Sächsischen Zeitung, Andreas Völkel, einer der Gründer des hyperlokalen Dortmunder Online-Portals nordstadtblogger.de und Andreas Vogel vom Wissenschaftlichen Institut für Presseforschung und Publikumsanalysen, der sich unter dem Titel „Wortgewalt(ig)“ für die Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Thema Journalismus und Online-Kommentare beschäftigte. „Alles, was die Kommunikation zwischen Redaktion  und Nutzern fördert, ist Gold wert,“ sagte Vogel und fuhr fort, „auf der lokalen Ebene hat das sogar auch noch mit der Realität der Nutzer zu tun.

Ulrike Kaiser, Sprecherin von IQ, schlug zum Abschluss den Bogen zurück zur Qualität: „Wir können nur mit Qualität unsere gesellschaftliche Rolle erfüllen – Qualität auch im Umgang mit dem Publikum.“ Ulrike Kaiser war von 2007 bis 2015 stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands.

Termine

30.11.2017,

DJV Hessen Seminar: Urheberrecht und Internet. Selbstständig im world wide web

01.12.2017,

Seminare und Weiterbildungsveranstaltungen des DJV im Dezember 2017

04.12.2017,

DJV Hessen-Seminar: Facebook für Fortgeschrittene