04.05.2017,

Gefühlte Realität – ein Nährboden für Rattenfänger

Wiesbaden, 03.05.2017 – Die Veranstalter des Frankfurter Tags des Online-Journalismus (FTOJ), Hessischer Rundfunk und Evangelische Kirche in Deutschland, griffen mit der Auswahl der Diskussionsthemen einige heiße Eisen an.

In der 1. Reihe Thomas Dörken-Kucharz (GEP), Tilo Barz (Leiter Multimedia hr), Manfred Krupp (Intendant hr) und Markus Bräuer (Medienbeauftragter EKD und VEF), v.l.n.r., während Diemut Roether (epd Medien) u.a. über "gefühlte Realität" referiert. Foto: Sonja Lehnert

Der FTOJ stellte mit seinen Referentinnen und Referenten eine Menge Fragen und regte zum Nachdenken an. Aus den  Workshops nahmen die Teilnehmenden  praxistaugliche Hinweise mit in den Arbeitsalltag. Das Resümee am Ende des Tages war positiv aber durchaus nachdenklich, denn es zeigte sich wieder einmal, wie verantwortungsvoll gerade Journalistinnen und Journalisten mit dem „Instrument“ Internet und digitalen Medien umgehen müssen.

Nachdem Manfred Krupp, Intendant des Hessischen Rundfunks, und Markus Bräuer, Medienbeauftragter der EKD und VEF, die Teilnehmenden begrüßt hatten, trat zunächst Diemut Bräuer ans Rednerpult. Die Zuhörenden mussten sich mit ihr der Frage stellen, „Welche Mitschuld die Medien an der Wahrnehmung der Realität“ tragen. „Je weniger Fakten wir kennen, umso mehr Gefühle werden produziert,“ erklärte die Referentin, „ein Dilemma gerade für uns Journalisten. Wir wollen schließlich Emotionen erzeugen.“ Dies sei aber auch ein „Nährboden für Rattenfänger“, denn das was man fühle, stelle sich gleichzeitig als Realität dar. Medien böten beides, Trash und Fakten. Bei der Recherche sei deshalb  „Fakten-Check“ unerlässlich.

An diesem Punkt auch Catarina Katzer an. Die Cyberpsychologin legte dar, wie unser digitales Verhalten uns und unsere Wahrnehmung verändere.  80 Prozent der Jugendlichen könnten schon nicht mehr unterscheiden, ob es sich bei Gelesenem oder Gehörtem um Nachrichten, Hasskommentare oder Fakenews handele. Wir seien durch die permanente Nutzung des Smartphones fehleranfälliger, unsere Schnelligkeit und Aufmerksamkeit  leide. Durch die Distanz, die das Internet gewährleiste, verringere sich auch die Empathie, man tauche in der Masse und der Anonymität unter. Darum seien die Medien und ihre Macherinnen und Macher in der Verantwortung. „Wir müssen digitale Zivilcourage zeigen,“ forderte sie.

In der folgenden Diskussion zwischen Thomas Leif von SWR Mainz und Roland Tichy, Herausgeber „Tichys Einblick“, beschrieben Begriffe wie „Selbstverblödungs-Spirale“ und fehlende „Konfliktenergie“ die Beziehung zwischen Medien und deren Nutzern. Qualitativ hochwertige Sendungen wie die Hörfunk Mediatheken und Infosendungen seien versteckt im Programmablauf. „Es muss Schluss sein mit der Erklärungsarmut,“ sagteThomas Leif und schlug die „Sendung mit der Maus für Erwachsene“ vor.

Auch in den Workshops, zum Beispiel  beim „Social-Media-Faktencheck“, war die „Sorgfaltspflicht der JournalistInnen“ Thema. Durch Miss- und Desinformation entstehe ein falscher Kontext. Quellen müssten immer auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden. Referent Konrad Weber vom SRF Newslab leitete dazu an, wie Quellen und Fakten schnell überprüft werden könnten.

Das Ergebnis des Tages lautete, den bewussten Umgang mit den digitalen Medien zu suchen und das auch von Nutzerinnen und Nutzern erwarten.

 

Fotos: Sonja Lehnert

 

 

 

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