06.07.2017,

Ausstellungseröffnung in Berlin

Wiesbaden / Berlin, 06.07.2017 - Mit einer Diskussion zur Frage „Schnelligkeit und Glaubwürdigkeit - wie lässt sich Ordnung in die Informationsflut bringen?" ist am Mittwochabend die Ausstellung „PresseFoto Hessen Thüringen 2016" in der Thüringischen Vertretung beim Bund eröffnet worden.

Moderatorin Julia Held im Gespräch mit Georg Löwisch, Frank Überall, David Biesinger und Lutz Tillmanns (v.l.n.r.). Foto: Andreas Lang

Sie macht dort bis Anfang September Station. Leichte Wehmut überschattete die von knapp 100 Gästen besuchte Traditionsveranstaltung, weil sie letztmals von Hausherr Dr. Gerd Frenzel begleitet worden war.

Mit persönlichen Worten bedankte sich der Geschäftsführer des DJV Hessen, Achim Wolff, für die lange, wohlwollende und unkomplizierte Zusammenarbeit. Zuvor hatten sich der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall, der Geschäftsführer des Deutschen Presserats, Lutz Tillmanns, der Chefredakteur der taz, Georg Löwisch, und der Programmchef des Inforadios rbb, David Biesinger, Gedanken gemacht über Qualitätsjournalismus in Zeiten der Beschleunigung und der zunehmenden Einflussnahme durch User.

Die Devise „Gründlichkeit vor Schnelligkeit" sei nicht zuletzt ein Hörerwunsch, berichtete Biesinger aus einer eigens beauftragten Studie. Überall ging hart ins Gericht mit der grassierenden „Eilmelderitis". Den Push-Meldungen fehle es zu oft an Substanz. Löwisch erinnerte daran, dass sich der Druck auf Redakteure erhöht habe. Hätten die Quoten für Sendungen früher erst am folgenden Tag vorgelegen, könne heutzutage durch den Online-Traffic live verfolgt werden, wie Nachrichten konsumiert oder ignoriert würden.

Einig waren sich die Diskutanten, dass aber auch diese neuen Gesetzmäßigkeiten althergebrachtes journalistisches Handwerk nicht aushebeln dürften. Erschwert würde dieses unter anderem auch durch bewusste oder unbewusste Manipulationen durch privilegierte Quellen, wie das in der Folge der Kölner Silvesternacht oder bei US-Präsident Donald Trump deutlich werde. „Es ist nicht schlecht, dass wir uns zum Umgang mit solchen Entwicklungen erklären müssen", meinte Überall, „manche Kollegen tun dies mittlerweile sogar gerne."

Die gute alte Tageszeitung hat nach Meinung der Experten noch nicht ausgedient. „Nach der Lektüre eines gut recherchierten Hintergrundartikels fühle ich mich satter", meinte Löwisch. „Lesen und nachdenken, nicht nur daddeln und wischen", lautet seine Empfehlung, um ausreichend informiert zu sein. Die gab Biesinger gezielt an junge Medienkonsumenten weiter. „Bei denen ist die Orientierungsgröße leider zu oft ein Algorithmus und nicht von Journalisten aufbereiteter Inhalt. Kurator ist ein Computer und nicht mehr ein Mensch." Willkommen in der Filterblase, schloss Moderatorin Julia Held vom ZDF.

Einleitend hatte Dienststellenleiter Raimund Grafe für die Landesvertretung die Zuhörer begrüßt. Heidje Beutel, Vorsitzende des DJV Thüringen, der den Fotowettbewerb gemeinsam mit dem DJV Hessen ausrichtet, legte ein Plädoyer ab für professionellen Bildjournalismus. „Sauberes Handwerk, Erfahrung und Leidenschaft" zeichneten gute Aufnahmen aus, die auch angemessen gewürdigt werden müssten. Musikalisch begleitete das Trio „Vocal Invitation" die Eröffnung. Andreas Lang

Termine

30.11.2017,

DJV Hessen Seminar: Urheberrecht und Internet. Selbstständig im world wide web

01.12.2017,

Seminare und Weiterbildungsveranstaltungen des DJV im Dezember 2017

04.12.2017,

DJV Hessen-Seminar: Facebook für Fortgeschrittene