Mit großer Bestürzung haben wir vom Tode unseres ehemaligen Vorstandsmitglieds Uwe Bräunlich erfahren.

Im Namen des Geschäftsführenden Vorstands des DJV-Hessen drücke ich tiefe Trauer um Uwe Bräunlich aus. Knud Zilian, 1. Vorsitzender DJV Hessen

Foto: zur Verfügung gestellt von Linhof

Es folgt nun ein Nachruf von Norbert Dörholt

Das letzte Mal, dass ich Uwe Bräunlich gesehen habe, war auf dem vorletzten Landesverbandstag des DJV Hessen. Er ging noch während der laufenden Konferenz nach Hause. Ich traf ihn zufällig im Vorraum, umarmte ihn und wünschte ihm alles Gute. Dann kam dieses gespenstische Corona-Jahr und ich sah ihn gar nicht mehr. Jetzt erreichte mich die Nachricht, dass er gestorben ist, zuhause, kurz vor Weihnachten, am 16. Dezember 2020, wenige Wochen vor seinem 82. Geburtstag am 12. Februar.
Beruflich hatte ich nur sporadisch mit ihm zu tun, vor allem als ich noch bei der Frankfurter Neuen Presse arbeitete und er auch für uns und das Höchster Kreisblatt hin und wieder Bilder schoss. Eher ist er mir als humorvoller, geselliger Kollege in Erinnerung, der beispielsweise beim Grünkohlessen im Restaurant am damals noch nicht abgebrannten Goetheturm und im „Gemalten Haus“ in Sachsenhausen faszinierende Geschichten von seinen zahllosen Reisen in fernöstliche Gefilde und nach Nordamerika, „über den Teich“, wie er immer zu sagen pflegte, zu erzählen wusste. Mein lieber Schwan, der kannte sich was aus in den Vereinigten Staaten, die er von links nach rechts und von Süden nach Norden und umgekehrt durchstreifte.
In der Region hat der zuletzt im Frankfurter Stadtteil Kalbach lebende Uwe besonders zwei tiefe Fußspuren hinterlassen, mit seinen Bildern vom Besuch John F. Kennedys im Juni 1963 in Erlensee-Langendiebach und Frankfurt und beim Großbrand der Klebstofffabrik Dekalin in Hanau, die in den 70-er Jahren abbrannte. Bei diesem Großbrand kam ihm der Umstand zugute, dass er seinerzeit ganz in der Nähe wohnte und so die Auflösung der Fabrik in einem Flammeninferno dokumentarisch festhalten konnte, aus spektakulären Blickwinkeln und mit fotografischem Scharfblick.
Getoppt hat er diese Aufnahmen nur noch mit den Bildern, die er beim Besuch Kennedys schoss. Auch sein damaliger Kollege Michael Sauer, der wie er bei der Münchner Kamerawerke Linhof GmbH arbeitete, die in Frankfurt an der Kennedyallee (war tatsächlich so), Ecke Stresemannallee, eine Dependance hatte – sie ist in der Zwischenzeit abgerissen worden– staunt heute noch darüber, was damals geschah: „Der Uwe war praktisch immer und überall früher da. John F. Kennedy kam mit dem Hubschrauber aus Berlin und landete auf dem US-Flugplatzgelände Langendiebach. Nach der Landung und Besichtigung der Base fuhr er über die legendäre B8 in Richtung Frankfurt. Da Uwe gute Ortskenntnisse in Hanau und Umgebung besaß nutzte er sämtliche Abkürzungen, um rechtzeitig auf dem Römerberg zu sein.“ Dort wartete er dann schon auf den amerikanischen Präsidenten, der laut eigenem Bekunden ja eigentlich Berliner war.
Seine Tätigkeiten als Bildjournalist stellte Uwe Mitte der 70-er Jahre ein. Zum gleichen Zeitpunkt schloss er in Hanau sein Fotostudio und seinen Laden, den er von seiner Mutter übernommen hatte, für immer. Danach fand er sofort eine Anstellung in der Niederlassung Frankfurt der besagten Linhof Kamerawerke München GmbH.
Auch andere Kollegen, besonders die aus der Fotografenszene, tragen viele Erinnerungen an den in Villingen-Schwenningen geborenen Weltfotografen in sich, wie beispielsweise der gelernte Fotograf und diese erlernte Tätigkeit auch eifrig ausübende Dieter Kuhn, der seinerzeit für die Abendpost/Nachtausgabe und die Frankfurter Neue Presse das Zeitgeschehen im Bilde festhielt. Er spricht natürlich, wie alle Kollegen, von der hohen Qualität der Bräunlich-Bilder, noch mehr eigentlich aber von den berühmten Freitagstreffen im Verkaufsbüro der Firma Linhof. Bei diesem Unternehmen, das mittlerweile nur noch von München aus agiert, hatte Uwe Bräunlich bis zur Auflösung 1998 als Niederlassungsleiter über 20 Jahre lang wie erwähnt gemeinsam mit Michael Sauer als für den Außenbereich zuständigen Kollegen gearbeitet – mit dem er übrigens bis zuletzt regelmäßig telefoniert hat. Darüber hinaus blieb Uwe seiner Firma in Fernost bei Messen und bei Bedarf eng verbunden.
1998 wurden die Linhof Kamerawerke München verkauft. Seit diesem Zeitpunkt heißt das Unternehmen Linhof Präzisions-Systemtechnik GmbH. Nach Schließung der Niederlassung in Frankfurt-Sachsenhausen führte Uwe Bräunlich die Geschäfte für den neuen Inhaber von seiner Privatwohnung aus bis zu seinem Renteneintritt 2003 weiter. Selbst im Un-Ruhestand war er bis zum Schluss für Linhof als „Konsultant“ weltweit aktiv.
Als passionierter Kamerasammler war Uwe zudem ein Kenner der Kamerageschichte wie kaum ein zweiter. Er sammelte Modelle verschiedenster Kamerahersteller, auch Prototoypen waren darunter. Die Sammlung stiftete er einem sich noch im Aufbau befindlichen Fotomuseum in Hongkong. Dort ist seine Sammlung Uwes eigenen Angaben zufolge in gute Hände übergegangen.
Doch zurück zu den Freitagstreffen. Hier versammelten sich, so erinnern sich Dieter Kuhn und Michael Sauer noch gut, nicht nur regelmäßig etwa 15 freiberufliche, feste Presse- und Studiofotografen, sondern praktisch alle, die sich für die Magie des Fotografierens interessierten. Es wurde gefachsimpelt, Informationen wurden ausgetauscht, Kontakte vermittelt und, um den gerade für Fotografen wichtigen klaren Blick zu bewahren, auch der eine oder andere Klare konsumiert. Von diesen schönen Erinnerungen zehren bis heute noch viele der Teilnehmer dieser ganz speziellen Tafelrunde. Uwe Bräunlich war stets der König Arthur jener fotojournalistischen Ritterschaft.
Trotz allem nahm er sich noch Zeit, sich im Journalistenverband gewerkschaftlich für die Belange der Kollegen zu engagieren. Am 1.Juni 1966 trat er dem HJV bei, war also über ein halbes Jahrhundert, 55 Jahre, dort aktiv. Die fleißigen Damen in unserer Geschäftsstelle in Wiesbaden haben sich die Mühe gemacht, seine gewerkschaftlichen Aktivitäten seitdem Jahr für Jahr detailliert aufzulisten. Danke dafür, aber das alles kann man im Einzelnen hier leider nicht wiederegeben. Getreulich, so aber kann man diesen Unterlagen entnehmen, versah er dort als Beisitzer oder Schriftführer im Vorstand des HJV bis noch zur Jahrtausendwende seine altruistischen Aufgaben, als Mensch und zuverlässiger Kollege.
Die Lücke, die er hinterlässt, ist nicht zu schließen. Jetzt findet er in einer anderen Welt seine Fotomotive. Darf man sagen: Lebe wohl, aller Freund? – Ich tu´s einfach!

 


Der neue Blickpunkt Ausgabe 04/2020

Im neuen Blickpunkt lesen Sie unter anderem

  • Wer aus welcher besonderen Perspektive das „Foto des Jahres“ aufgenommen hat
  • Wie sich die HNA in den vergangenen 75 Jahren gemacht hat
  • Welche Maßstäbe der Bundesgerichtshofs bei der Bezahlung von Bildjournalisten zementiert hat
  • Was die Rechtsprechung bislang für Whistleblower kodifiziert hat
  • Was die Evangelische Sonntagszeitung für junges Publikum neu im Portfolio hat

Eine inspirierende Lektüre und gesegnete Feiertage wünschen

Der Landesvorstand und die Blickpunkt-Redaktion

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