Mit mehr Optimismus nach Hause

Wiesbaden / Frankfurt, 12. Juni 2017 – Mehr als 60 Teilnehmende trafen sich am 10. Juni 2017 in Frankfurt in der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) zum Hessischen Jungjournalistentag #JJT17.

Das Thema „Von funky bis fake – wie seriös muss Journalismus sein?“ fachte Diskussionen an, Workshops informierten über Ausbildungsmöglichkeiten, in den Pausen war Zeit zum Netzwerken.

Zum ersten Mal war die HMKW in Frankfurt Partner des Hessischen Jungjournalistentags und stellte ihre Räume zur Verfügung. Neben dem DJV Hessen waren wie bisher die Presseclubs in Frankfurt und Wiesbaden, die Hörfunkschule Frankfurt, die Jugendpresse Hessen, LPR Hessen und der Verband Hessischer Zeitungsverleger Mitveranstalter.
Frau Dr. Catarina Katzer (Insitut für Cyberpsychologie und Medienethik) stieg mit ihrer Einführung gleich in das Thema ein, das aktuell auf allen Kanälen diskutiert wird. „Steckt der Journalismus in einer Krise?“, fragte sie. Neue Plattformen wie Instagram, Snapchat und Youtube hätten längst die Gate-Keeper-Funktion von Journalistinnen und Journalisten aufgelöst. Wie fände heute Meinungsbildung statt, fragte sie weiter. Die Nutzung des Internets verringere emotionale Bindung, zu weit sei man entfernt von Nachrichten, von den Personen und, wie Dr. Katzer betonte, auch von sich selbst. Man spreche von Deindividuation (laut Lexikon der Psychologie: ein psychischer Zustand verminderter Selbstaufmerksamkeit und sozialer Urteilsfähigkeit (Selbstverlust), der mit einer erhöhten Bereitschaft zu impulsiven, normabweichenden und extremen Verhaltensweisen verbunden ist. Auslösende Faktoren sind Anonymität und Versunkenheit in Gruppen oder Massen). Trotzdem sei man bereit, einen Vertrauensvorschuss zu geben, auch wenn die Glaubwürdigkeit nicht gegeben sei. Es reiche, wenn genügend andere User auch den „Like-“ oder „Follower-Button“ drückten. Das genüge, eine „scheinbare Echtheit“ zu belegen. Das betreffe Nachrichten ebenso wie Hass und Hetze.

Fazit sei, dass von Journalistinnen und Journalisten wieder mehr Konfliktfähigkeit aufgebaut und dies auch den Nutzern zugemutet werden müsse. Man solle nicht dem Rhythmus der Schnelligkeit nachgeben, sondern Fakten checken und auf der Basis ethischer Grundsätze eine Vorbildfunktion einnehmen. „Der Faktor Mensch ist der wichtigste. Journalistinnen und Journalisten sollten menschliche Stoppschilder sein und Zeichen setzen,“ lautete die Aufforderung der Referentin an die Zuhörenden.

Diskussion und Weiterbildung

Dr. Helge Fuhst (Leitung Programm Management phoenix) nahm an der nachfolgenden Diskussion „Nachricht vs  Fake News“ teil. Er berichtete, dass Nachrichten im Sender (bei phoenix) fast ausschließlich von mehreren Agenturen eingingen. Verfüge man über nur eine Quelle, gebe man dies grundsätzlich an. Qualität gehe immer vor Schnelligkeit, dabei gehe es um die klassische Recherche. Im Volontariat werde deswegen auch besonderer Wert darauf gelegt: „Wie recherchiere ich am besten“.

Die Weiterbildungspanels beschäftigten sich mit den klassischen Medien Print, Rundfunk und Fernsehen immer auch in Bezug auf die Online-Tätigkeit. Der Chefredakteur des Wiesbadener Kurier und Wiesbadener Tagblatt, Stefan Schröder, stellte die Möglichkeiten eines Printmediums ganz praktisch vor. Er ging auf unterschiedliche Print-Produkte ein, mit denen sich die VRM (Verlagsgruppe RheinMain) auch durch den Wiesbadener Kurier breiter aufstelle. Er erläuterte die Möglichkeiten, die Zeitungen und Magazine mit Markenbildung, experimentellen Printprodukten oder ganz anderen Standbeinen wie E-Commerce auch in Zeiten des Internets behielten oder neu erwerben, um Leserinnen und Leser zu gewinnen und zu binden.

Auch die Youtuber bewegen sich auf neuen Wegen. Elias Malki, Student der HMKW, brachte filmische Beispiele dafür mit, was sich entwickeln kann, wenn man sich schon seit der achten Klasse fürs Filmen interessiert. Gerade bei jungen Leuten sei Youtube gefragt, doch solle man sich nicht vom schnellen Geldverdienen leiten lassen. Die Ausbildung und das Studium bieten erst die soliden Grundlagen, um bewusst mit dem Medium umzugehen. Er wies auf Richtlinien hin, die auch bei Youtube gelten. Nämlich Urheberrechte zu wahren und fragwürdige Inhalte auszuklammern.

Gregor Mayer, Leiter Digitale Medien, phoenix und Referent beim DJV, sprach in seinem Schlusswort die Begeisterung an, mit der auch jede junge Journalistin, jeder junge Journalist seine Arbeit angehen sollte. „Wenn wir für etwas brennen, sind wir auch gut“.

Der Hessische Jungjournalistentag verlief für alle Seiten erfolgreich. Kritik war konstruktiv und hilfreich, um den Ablauf in der Zukunft weiter zu verbessern. „Ich gehe mit mehr Optimismus nach Hause, dass der Weg in den Journalismus nicht unmöglich ist,“ äußerte eine Teilnehmerin zum Abschluss an der Pinwand.

 

 

 


70 Jahre DJV Hessen

Am 2. März 1947 fanden sich im Frankfurter Hotel Monopol-Metropol an die 100 Journalisten zusammen, um ihrerseits einen Neuanfang zu machen und einen „Verband der Berufsjournalisten in Hessen“ zu gründen. 1958 wurde dieser in „Hessischer Journalisten-Verband“ (hjv) umbenannt, seit 2005 firmiert er unter der aktuellen Bezeichnung DJV-Landesverband Hessen.

Die Herausforderungen sind über die Jahrzehnte geblieben. Der DJV Hessen positioniert sich in der Medien- und Tarifpolitik des Landes und des Bundes und tritt für eine angemessene Behandlung beziehungsweise Bezahlung in Presse, Funk, Fernsehen und neuerdings online ein.

Immer wieder treten im Lauf der Jahre unverhältnismäßige Angriffen auf die Pressefreiheit in Hessen auf, es ist die Rede von unguten Konzentrations- und Rationalisierungswellen in den Verlagshäusern, von Urheberrechtsverletzungen und deren ökonomischen Folgen. Es wird gewarnt vor weiteren Ausgliederungen, Honorardumping, überbordender Technikbegeisterung – bis heute.

Der DJV Hessen ist Partner gewesen und über die Jahre geblieben. Nicht nur und selbstverständlich für seine Mitglieder und die (Medien-)Politiker im Land. Er hat mit Formaten wie dem Würzburger Kreis oder der „Fünferbande“ (zusammen mit den Landesverbänden Thüringen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg) Verbandspolitik mitgestaltet und Strukturveränderungen eingeleitet. Dieses Quintett hat – nach nordrhein-westfälischem Vorbild – den Süddeutschen Journalistentag initiiert. Der DJV Hessen steht auch für die gut dotierten Wettbewerbe Foto-Preis Hessen-Thüringen und Hessischer Journalistenpreis. Bereits zum dritten Mal fand 2017 der Jungjournalistentag mit einer beachtlichen Resonanz statt.

Der DJV Hessen in der Fläche

Von Beginn an war der DJV Hessen föderalistisch organisiert. Ortsverbände fanden sich in Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Bad Nauheim, Gießen, Wetzlar (später Lahn-Dill), Alsfeld, Marburg, Kassel und Offenbach. Über die Jahre sind Fulda und Hanau hinzugekommen. Bad Nauheim, Gelnhausen und Alsfeld haben ihre Eigenständigkeit mittlerweile wieder aufgegeben, Offenbach hat sich Frankfurt angeschlossen. Da Frankfurt seit jeher der mitgliederstärkste Ortsverband war, fanden die Verbandstage lange Jahre in der Finanzmetropole statt, die Geschäftsstelle wurde erst Anfang des Jahrtausends in die Landeshauptstadt verlegt. Der DJV ist im Presserat sowie bei der LPR vertreten.

Ein Film von Jiyeon Cha, hfma netzreporter

 

 

 

 


#JJT16 - Nur Qualitätsjournalismus wird der Journalismus der Zukunft sein

Knud Zilian, 2. Vorsitzender DJV Hessen. Foto Axel Häsler

Wiesbaden/Frankfurt, 8. Juni 2016 - Knud Zilian, 2. Vorsitzender des DJV Landesverbands Hessen, eröffnete am Samstag, 4, Juni 2016, den zweiten Hessischen Jungjournalistentag. Experten diskutierten mit dem Publikum Fragen zur Zukunft des Journalismus.

Das Video zum #JJT16 wurde gedreht und bearbeitet von Philipp Stelzner, Stv. Chefredakteur, und Nina Eisenbeis, CvD, von 17:30 SAT.1 Live. Herzlichen Dank dafür.

Mehr als 80 Teilnehmende diskutierten beim 2. Hessischen Jungjournalistentag am 4. Juni  bis in die frühen Abendstunden in der IHK in Frankfurt Themen, die Berufseinsteigern auf der Seele brennen.

Dr. Leif Kramp gab mit seinem Impulsreferat den Einstieg in die Diskussion über Neue Medien und den damit verbundenen Wandel im Journalismus. Er sehe den wachsenden Bedarf an digital-erfahrenen, profilierten und experimentierfreudigen Kommunikationsprofis. Demgegenüber stünden nach wie vor stark hierarchisierte journalistische Organisationen, sprich Verlage und Sender, deren gewohnte  journalistische Arbeitsroutinen durch den Wandel ins Wanken gerieten. Kramp fuhr fort, dass bisher nur wenige progressive Redaktionen zum Beispiel die Wahl des Arbeitsplatzes frei stellten, sei es bei Starbucks, zu Hause oder im Park. Sein  Rat an den Nachwuchs lautete, in diesen starren Redaktionsstrukturen durchzuhalten: „Sie brauchen ‚kopf-frischen‘ Nachwuchs.“ Er lieferte auch gleich Zahlen, in welchen Bereichen und Rollen Journalisten in Zukunft gebraucht würden:

  • Moderatoren (66,1 Prozent)
  • Blogger/Kommentatoren (56,7 Prozent)
  • Kuratoren (55,9 Prozent)
  • Community Manager (48 Prozent)
  • Andere ( 4,7 Prozent)

Kramp stellte Neue Skillsets - Erwartungen an junge Journalisten. Foto: Sonja Lehnertauch die Frage, wie man sich den Typus Journalist eigentlich vorzustellen habe. Traditionell wie den ehemaligen Nachrichtensprecher Hanns Joachim Friedrichs oder wie den innovativen Youtuber Florian Mundt, Le Floid? Das sei wohl eine Generationenfrage. Die Redaktionsrealität sehe gegenwärtig so aus, dass die Skeptiker und Desillusionierten in einer Pattsituation mit den Innovativen stünden. Doch gerade weil man jung sei, bringe man wertvolle Voraussetzungen für die Unternehmen mit.  Wie Informationen weitergegeben und Nutzer erreicht werden könnten, realisiere der Nachwuchs spielerisch und probiere mit neuen Ideen aus, welche Projekte das Interesse weckten.

„Journalismus verleiht Flügel“

Kreativität und Ideenreichtum sind gefragt, vor allem das „Brennen für die Sache“. Die Erwartungen an den journalistischen Nachwuchs sind hoch. Das bestätigte auch Ute Wellstein vom Hessischen Rundfunk, die in diesem Jahr 300 Bewerbungen für das zweijährige Volontariat erhalten hat. Demnächst werden im Assessment Center acht bis zehn Volos ermittelt, die dann das „goldene Los“ gezogen haben, beim Rundfunk anfangen zu können. „Wie soll man sich vorbereiten? Was wird erwartet? Was muss ich alles schon können?“, lauteten die Fragen der Anwesenden. Ein hilfreicher Tipp der ExpertInnen lautete, auf den Websites der Unis nach den Modulen, die angeboten werden, zu schauen und Checklisten (gibt es beim DJV) für Volontariat oder Hochschulstudium abzuarbeiten.

Kenntnisse in den Sozialen Netzwerken sind da nur einer der vielen Bausteine, die das Gesamtbild ausmachen. Man sollte multimedial zumindest interessiert sein und alle drei Medien kennen. Das hieße nicht, dass jeder alles machen müsse, erklärte Ute Wellstein. Gregor Mayer, Leiter Digitale Medien bei Phoenix, ergänzte, dass die sozialen Netzwerke eine ganz wichtige Rolle spielten. Hans Georg Schnücker, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Rhein-Main, fügte hinzu, dass auch viele der ganz großen Journalisten erst einmal bei den Lokalzeitungen angefangen hätten.

Die Veränderungen, die die gesamte Kommunikation betreffen, erfordern aber auch eine Umstrukturierung in der Ausbildung. Man könne nicht wie vor 20 Jahren ausbilden, aber trotzdem Erwartungen des 21. Jahrhunderts an die Berufseinsteiger stellen, sagte Podiumsteilnehmerin Ulrike Kaiser, IQ im Journalismus, auch die Ausbildung müsse sich den Veränderungen stellen. Andreas Fauth, Hörfunkschule Frankfurt, sowie alle anderen Podiumsteilnehmer wiesen immer wieder darauf hin, dass man trotz aller Erwartungen das studieren solle, wofür man tatsächlich brenne. Mit dieser Begeisterung überzeuge man auch beim Einstellungsgespräch.

Journalismus heute – praktisch erlebbar im Workshop

Wie schon beim ersten Hessischen Jungjournalistentag im vergangenen Jahr war die Zeit der offenenPhilipp Stelzner, Sat.1Live Diskussionsrunde viel zu kurz, um alle Fragen zu beantworten. Sehr positiv wurden deshalb die individuell ausgerichteten Workshopangebote am Nachmittag wahrgenommen. Neben den hochaktuellen Themen „Bloggen“ und „Mobile Journalism“ sind immer wieder die Basisfragen nach der Ausbildung bei Print, Rundfunk und Fernsehen sowie Möglichkeiten zur Existenzgründung relevant.

Das sehr motivierende Interview, das Stefan Schröder mit der Bloggerin Andrea Lindner führte, zeigte einen der vielen innovativen Wege, den JungjournalistInnen gehen können. Die junge Bloggerin war das beste Beispiel dafür, wie Neugierde und Begeisterungsfähigkeit die eigene Marke herstellen könnten und sich auch finanziell bemerkbar machten.

O-Töne der Teilnehmenden

Annika, 22: „Mir hat an der Podiumsdiskussion gefallen, dass die Zuhörer gleich miteingeschaltet waren.“

Merle, 20: „Die Experten bei der Diskussion waren gut ausgewählt und die Moderatorin hat alle Beiträge prima in die Diskussion eingebaut.“

Isabelle, 25: „Ich komme aus dem technischen Bereich und will mich hier weiter orientieren. Das Angebot entspricht voll meinen Erwartungen. Ich finde es ganz erstaunlich, dass das Thema ‚Digitale Medien‘ auch bei den Experten so wichtig ist.“

Marco, 17: „Ich habe beim SchoolMediaDay von der Veranstaltung erfahren. Hierher zu kommen hat sich sehr gelohnt. Ich wurde auf die Möglichkeit des FSJ aufmerksam gemacht und mir wurden Kontakte in meiner Region genannt, zum Beispiel auch Empfehlungen für ein Duales Medienstudium.“

Tobias, 21: „Ich war schon im letzten Jahr hier. Mir hat besonders das Interview mit der Bloggerin gefallen. Solche Interviews können ruhig mehr eingebaut werden. Gut ist auch, dass immer mal andere Workshops angeboten werden.“ sl

Videos

Hessischer Jungjournalistentag 2017

Ein Film von Jiyeon Cha, hfma netzreporter

70 Jahre DJV Hessen

Ein Film von Jiyeon Cha, hfma netzreporter

Verleihung des Fotopreises PresseFoto Hessen-Thüringen 2016. Film der hfma-netzreporter.

Das war der #JJT16

Die "Rolle" der Personalratswahlen beim hr - 30./31.5.2016

Personalratswahlen beim Hessischen Rundfunk