#JJT16 - Nur Qualitätsjournalismus wird der Journalismus der Zukunft sein

Knud Zilian, 2. Vorsitzender DJV Hessen. Foto Axel Häsler

Wiesbaden/Frankfurt, 8. Juni 2016 - Knud Zilian, 2. Vorsitzender des DJV Landesverbands Hessen, eröffnete am Samstag, 4, Juni 2016, den zweiten Hessischen Jungjournalistentag. Experten diskutierten mit dem Publikum Fragen zur Zukunft des Journalismus.

Das Video zum #JJT16 wurrde gedreht und bearbeitet von Philipp Stelzner, Stv. Chefredakteur, und Nina Eisenbeis, CvD, von 17:30 SAT.1 Live. Herzlichen Dank dafür.

Mehr als 80 Teilnehmende diskutierten beim 2. Hessischen Jungjournalistentag am 4. Juni  bis in die frühen Abendstunden in der IHK in Frankfurt Themen, die Berufseinsteigern auf der Seele brennen.

Dr. Leif Kramp gab mit seinem Impulsreferat den Einstieg in die Diskussion über Neue Medien und den damit verbundenen Wandel im Journalismus. Er sehe den wachsenden Bedarf an digital-erfahrenen, profilierten und experimentierfreudigen Kommunikationsprofis. Demgegenüber stünden nach wie vor stark hierarchisierte journalistische Organisationen, sprich Verlage und Sender, deren gewohnte  journalistische Arbeitsroutinen durch den Wandel ins Wanken gerieten. Kramp fuhr fort, dass bisher nur wenige progressive Redaktionen zum Beispiel die Wahl des Arbeitsplatzes frei stellten, sei es bei Starbucks, zu Hause oder im Park. Sein  Rat an den Nachwuchs lautete, in diesen starren Redaktionsstrukturen durchzuhalten: „Sie brauchen ‚kopf-frischen‘ Nachwuchs.“ Er lieferte auch gleich Zahlen, in welchen Bereichen und Rollen Journalisten in Zukunft gebraucht würden:

  • Moderatoren (66,1 Prozent)
  • Blogger/Kommentatoren (56,7 Prozent)
  • Kuratoren (55,9 Prozent)
  • Community Manager (48 Prozent)
  • Andere ( 4,7 Prozent)

Kramp stellte Neue Skillsets - Erwartungen an junge Journalisten. Foto: Sonja Lehnertauch die Frage, wie man sich den Typus Journalist eigentlich vorzustellen habe. Traditionell wie den ehemaligen Nachrichtensprecher Hanns Joachim Friedrichs oder wie den innovativen Youtuber Florian Mundt, Le Floid? Das sei wohl eine Generationenfrage. Die Redaktionsrealität sehe gegenwärtig so aus, dass die Skeptiker und Desillusionierten in einer Pattsituation mit den Innovativen stünden. Doch gerade weil man jung sei, bringe man wertvolle Voraussetzungen für die Unternehmen mit.  Wie Informationen weitergegeben und Nutzer erreicht werden könnten, realisiere der Nachwuchs spielerisch und probiere mit neuen Ideen aus, welche Projekte das Interesse weckten.

„Journalismus verleiht Flügel“

Kreativität und Ideenreichtum sind gefragt, vor allem das „Brennen für die Sache“. Die Erwartungen an den journalistischen Nachwuchs sind hoch. Das bestätigte auch Ute Wellstein vom Hessischen Rundfunk, die in diesem Jahr 300 Bewerbungen für das zweijährige Volontariat erhalten hat. Demnächst werden im Assessment Center acht bis zehn Volos ermittelt, die dann das „goldene Los“ gezogen haben, beim Rundfunk anfangen zu können. „Wie soll man sich vorbereiten? Was wird erwartet? Was muss ich alles schon können?“, lauteten die Fragen der Anwesenden. Ein hilfreicher Tipp der ExpertInnen lautete, auf den Websites der Unis nach den Modulen, die angeboten werden, zu schauen und Checklisten (gibt es beim DJV) für Volontariat oder Hochschulstudium abzuarbeiten.

Kenntnisse in den Sozialen Netzwerken sind da nur einer der vielen Bausteine, die das Gesamtbild ausmachen. Man sollte multimedial zumindest interessiert sein und alle drei Medien kennen. Das hieße nicht, dass jeder alles machen müsse, erklärte Ute Wellstein. Gregor Mayer, Leiter Digitale Medien bei Phoenix, ergänzte, dass die sozialen Netzwerke eine ganz wichtige Rolle spielten. Hans Georg Schnücker, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Rhein-Main, fügte hinzu, dass auch viele der ganz großen Journalisten erst einmal bei den Lokalzeitungen angefangen hätten.

Die Veränderungen, die die gesamte Kommunikation betreffen, erfordern aber auch eine Umstrukturierung in der Ausbildung. Man könne nicht wie vor 20 Jahren ausbilden, aber trotzdem Erwartungen des 21. Jahrhunderts an die Berufseinsteiger stellen, sagte Podiumsteilnehmerin Ulrike Kaiser, IQ im Journalismus, auch die Ausbildung müsse sich den Veränderungen stellen. Andreas Fauth, Hörfunkschule Frankfurt, sowie alle anderen Podiumsteilnehmer wiesen immer wieder darauf hin, dass man trotz aller Erwartungen das studieren solle, wofür man tatsächlich brenne. Mit dieser Begeisterung überzeuge man auch beim Einstellungsgespräch.

Journalismus heute – praktisch erlebbar im Workshop

Wie schon beim ersten Hessischen Jungjournalistentag im vergangenen Jahr war die Zeit der offenenPhilipp Stelzner, Sat.1Live Diskussionsrunde viel zu kurz, um alle Fragen zu beantworten. Sehr positiv wurden deshalb die individuell ausgerichteten Workshopangebote am Nachmittag wahrgenommen. Neben den hochaktuellen Themen „Bloggen“ und „Mobile Journalism“ sind immer wieder die Basisfragen nach der Ausbildung bei Print, Rundfunk und Fernsehen sowie Möglichkeiten zur Existenzgründung relevant.

Das sehr motivierende Interview, das Stefan Schröder mit der Bloggerin Andrea Lindner führte, zeigte einen der vielen innovativen Wege, den JungjournalistInnen gehen können. Die junge Bloggerin war das beste Beispiel dafür, wie Neugierde und Begeisterungsfähigkeit die eigene Marke herstellen könnten und sich auch finanziell bemerkbar machten.

O-Töne der Teilnehmenden

Annika, 22: „Mir hat an der Podiumsdiskussion gefallen, dass die Zuhörer gleich miteingeschaltet waren.“

Merle, 20: „Die Experten bei der Diskussion waren gut ausgewählt und die Moderatorin hat alle Beiträge prima in die Diskussion eingebaut.“

Isabelle, 25: „Ich komme aus dem technischen Bereich und will mich hier weiter orientieren. Das Angebot entspricht voll meinen Erwartungen. Ich finde es ganz erstaunlich, dass das Thema ‚Digitale Medien‘ auch bei den Experten so wichtig ist.“

Marco, 17: „Ich habe beim SchoolMediaDay von der Veranstaltung erfahren. Hierher zu kommen hat sich sehr gelohnt. Ich wurde auf die Möglichkeit des FSJ aufmerksam gemacht und mir wurden Kontakte in meiner Region genannt, zum Beispiel auch Empfehlungen für ein Duales Medienstudium.“

Tobias, 21: „Ich war schon im letzten Jahr hier. Mir hat besonders das Interview mit der Bloggerin gefallen. Solche Interviews können ruhig mehr eingebaut werden. Gut ist auch, dass immer mal andere Workshops angeboten werden.“ sl

Videos

Verleihung des Fotopreises PresseFoto Hessen-Thüringen 2016. Film der hfma-netzreporter.

Das war der #JJT16

Die "Rolle" der Personalratswahlen beim hr - 30./31.5.2016

Personalratswahlen beim Hessischen Rundfunk