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Für Bundestagsdebatten die Schule schwänzen

Heute-Journal-Moderator Claus Kleber zu Gast bei „Redakteur im Verhör“ in der evangelischen Hörfunkschule Frankfurt.

Frankfurt a.M., 15. Juni 2012 - Eins war ihm ganz wichtig bei seiner Berufswahl: Claus Kleber wollte einen Beruf, bei dem ihm sein Arbeitgeber viele Reisen bezahlt. Eigentlich habe er immer vom Fliegen geträumt, erzählt er. Doch als sich bei seiner Mofa-Führerscheinprüfung herausstellte, dass seine Augen dafür zu schlecht waren, platze der Traum. Bevor es mit dem Verhör losgehen kann, gibt es noch einige Regieanweisungen von Kleber. Er bittet um mehr Licht, damit er das Publikum sehen kann. Und lädt die Stehenden ein, sich zu ihm nach Vorne zu setzen, „falls der Boden nicht zu unbequem ist.“ Die Stühle reichen nicht für die rund 130 Nachwuchsjournalisten. Sie sind gekommen, um mehr über den Mann zu erfahren, den sie sonst nur vom Bildschirm kennen.

Schon als Schüler war Kleber an Politik interessiert. „Damals hatten wir das Gefühl, es komme wirklich darauf an, was wir Jungen wollen.“ Deswegen schwänzte er auch mal die Schule, um Bundestagsdebatten im Fernsehen sehen zu können. Früh arbeitete er auch an seinen Debattierfähigkeiten. Die konservativen Ansichten seines Vaters diskutierte er mit seinen Freunden, die linken Thesen seiner Freunde mit seinem Vater. Das sei die beste Schule gewesen.

Nachdem der Traum vom Fliegen geplatzt war, hatte er schnell eine Alternative: Journalist werden. Mit 17 Jahren machte er sein erstes Praktikum bei einer Lokalredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers. Die freie Mitarbeit folgte und die viele Arbeit stieg ihmschnell zu Kopf. Als er einmal einen Artikel der Kulturkollegin kürzte, fand er am nächsten Tag einen Kaktus auf seinem Schreibtisch. Daneben standen einige Zeilen von Wilhelm Busch: Wenn einer, der mit Mühen kaum gekrochen ist auf einen Baum, schon meint, dass er ein Vogel wär, so irrt sich der. „Das war deutlich“, schmunzelt er.

Den anwesenden Nachwuchsjournalisten rät er, etwas zu studieren, das mit dem wahren Leben zu tun hat. Vom Journalismusstudium rät er ab. Er selbst studierte Jura in Tübingen. „Ich wollte etwas Richtiges studieren, auch wenn ich schon damals Korrespondent in Washington werden wollte.“

Ob er irgendetwas an seinem Job vermisse, wird Kleber gefragt. „Manchmal die inhaltliche Freiheit der Zeitung, die Schnelligkeit und Emotionalität des Radios“, gibt Kleber zu. Aber eigentlich sei er sehr zu frieden mit seinem Beruf. Sein Ziel hat er erreicht: Er darf viel reisen und die Kosten dafür übernimmt sein Arbeitgeber, das ZDF.

Redakteur im Verhör

„Redakteur im Verhör“ ist eine gemeinsame Veranstaltung des DJV Hessen und der evangelischen Hörfunkschule Frankfurt. Zweimal im Jahr stehen Promis aus den Medien im Kreuzverhör. Dabei können sich junge Journalisten und erfahrene Medienmacher kennenlernen und austauschen. DJV und Hörfunkschule wollen Nachwuchsjournalisten unterstützen und für eine qualitativ hochwertige Ausbildung fördern.