23.03.2018,

Gehörige Portion professioneller Erfahrung

Erkenntnisse aus der Online-Umfrage unter Journalisten in Wirtschaft und Verwaltung

Bildquelle: Helmut von der Lahr

An der Umfrage unter den Öffentlichkeitsarbeitern („Journalistinnen und Journalisten in Wirtschaft und Verwaltung“) im DJV Hessen haben sich 2017 von 415 Mitgliedern der Fachgruppe rund 70, knapp 20%,  beteiligt.

Zu den interessantesten Ergebnissen, die die Umfrage (bei der in einigen Fällen Mehrfachantworten möglich waren) erbrachte, gehören die folgenden Resultate:  

(1)        Die Öffentlichkeitsarbeiterinnen und Öffentlichkeitsarbeiter im DJV Hessen haben eine hohe Affinität zu ihrem Verband. Mehr als 40% der Befragten gehören seit mehr als 20 Jahren dem DJV an; 30% zwischen 11 und 20 Jahren, 20% zwischen 5 und 10 Jahren.

(2)         Dabei verfügen die meisten von ihnen über eine gehörige Menge professioneller Erfahrungen.  22%  arbeiten immerhin schon zwischen 5 und 10 Jahren journalistisch in der Öffentlichkeitsarbeit. Fast 70% der Befragten sind mehr als 10 Jahre als Öffentlichkeitsarbeiter tätig.
 
(3)        Der Weg in die Öffentlichkeitsarbeit ist bei den allermeisten Befragten stark journalistisch geprägt. Annähernd  50 % der Befragten haben ein journalistisches Volontariat absolviert. 40% gaben an,  journalistisches  Arbeiten im berufsbegleitenden training-on-the-job erlernt zu haben.
Ihre journalistischen Erfahrungen haben rund 70%  der Befragten bei der Tagespresse gemacht, bei weiteren 34% geschah dies bei der Fachpresse und Presse-Agenturen. Zusätzliche 15% verdanken ihre journalistische Befähigung ihrer Tätigkeit bei Rundfunk- und Fernsehanstalten. Die große Mehrheit von 85% geben als Hintergrund ihrer journalistischen Ersterfahrungen die Unternehmenskommunikation an. Erstaunlicherweise nennen lediglich  15,5% ein journalistisches  / kommunikatives / publizistisches Studium als ihr Eintrittstor in den Journalismus bzw. die Öffentlichkeitsarbeit.

(4)        Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Geschehnisse ist ein  besonders interessanter Aspekt der Umfrage, dass fast 60% der Befragten angeben, über intensive Erfahrungen mit anderen Kulturkreisen zu verfügen, jedoch knapp 40% zu Protokoll geben, dass solche Erfahrungen nicht vorhanden sind. Dieser Sachverhalt wird konturiert durch die Angabe zur Fremdsprachenbeherrschung. Die sichere Beherrschung des Englischen nennen, wenig überraschend,  mehr als die  Hälfte der Umfrageteilnehmer. Weniger als 12,5% aber geben an,  noch eine weitere Fremdsprache gut zu beherrschen.

(5)        Ein zunächst wenig überraschendes Ergebnis zum betriebswirtschaftlichen Umfeld der Öffentlichkeitsarbeiterinnen und Öffentlichkeitsarbeiter lautet: 40% von Ihnen arbeiten in Wirtschaftsunternehmen,  rund 32% in Verwaltungen und knapp 16% sind in Verbänden tätig. Überraschen kann hier jedoch die Tatsache, dass annähernd ein Viertel der Befragten in Unternehmen tätig ist, die bis zu 500 Mitarbeitern haben; und mehr als 37% sogar für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern arbeitet.  Dies kontrastiert mit dem Erfahrungszusammenhang von rund 30% der befragten Mitglieder der Fachgruppe, die in Unternehmungen (Kleinunternehmen, Agenturen, Selbstständige) von einem bis fünf Mitarbeitern tätig sind.

Ein interessanter Einzelaspekt: Die Unternehmen mit mehreren Standorten in Deutschland (44%) sind nahezu ebenso zahlreich wie die 45% mit nur einem Standort (in der Regel wohl Verwaltungen und Verbände). Allerdings ist die Zahl der Arbeitgeber mit Niederlassungen in Europa und in globaler Verteilung (23%) größer, als die der Arbeitgeber, die lediglich einen Standort in Deutschland (18%) haben.

(6)        Organisationssoziologisch höchst interessant für den DJV und für die Fachgruppe sind auch die folgenden Ergebnisse der Umfrage. Annähernd 71% der Befragten der Fachgruppe sind Festangestellte in Vollzeit , davon 5% Beamte. Von diesen geben knapp 10% an, zu den Unternehmens-/ Verwaltungsleitungen zu gehören, rund 25% sind Führungskräfte mit Personalverantwortung und weitere 18% sind mit Projektleitungen betraut. Diesen stehen rund 5% Öffentlichkeitsarbeiter mit befristeten Verträgen rund 25% Selbstständigen und weiteren 6% freie Mitarbeitern gegenüber.

(7)        Interessanterweise spiegeln die Struktur- und Matrixbegriffe aus den Unternehmen und Verwaltungen noch nicht die begonnene neue „sozial-mediale Ära“. Oder vielleicht ist dies ja das aktuell Typische?! In mehr als 30% der Fälle werden traditionelle Organisationsbegriffe für die Arbeitsstätten der Journalistinnen und Journalisten in Wirtschaftsunternehmen und Verwaltungen Öffentlichkeitsarbeiter angegeben, wie „Presse-und Information“, „Pressestelle“, „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ oder „Unternehmenskommunikation“.
Interessanterweise arbeiten  in diesen Arbeitszusammenhängen Menschen zusammen, die sich selbst (Mehrfachnennungen waren möglich)  zu 67% als „Journalisten“, „Generalisten der Kommunikation“ (46%)  oder „PR-Berater“ (42%)  bezeichnen. Das journalistisch geprägte kommunikative Selbstverständnis ist hier hervorzuheben.

(8)        Welche Rolle spielt die neu geforderte Kompetenz in den Sozialen Medien (social media communications) auf dem arbeitsalltäglichen Hintergrund?
Tätigkeiten des Tagesgeschäftes, die im Zusammenhang mit den social media communications stehen, werden von den Befragten mit knapp 40% gegenüber durchschnittlich 60% klassischer Pressearbeit  (Pressetexte, Redaktionstätigkeit, Sprechertätigkeit, etc.) gewichtet.
Tatsächlich verblüfft jedoch das Ergebnis der Kontrollfrage:  „Wie definieren Sie Ihre Berufsexpertise?“ Hier verteilen sich sage und schreibe 75% der selbst zugeschriebenen Kompetenzen auf „Journalist/-in“, „Generalist/-in der Kommunikation“ und „PR-Experte/-in“. Ganze 7,5% (!) der Öffentlichkeitsarbeiter schreiben sich Kompetenz in den Sozialen Medien in  ausreichendem Maße zu. Kann dies zutreffend sein?

(9)        Wir sind uns sicher, dass die Umfrage hier ein Problem im professionellen Selbstverständnis und für die weitere Professionalisierung aufdeckt.  Denn die Kontrollfrage nach den Arbeitsschwerpunkten weist aus, dass fast 40% der Tätigkeit bereits einen starken Social Media-Bezug aufweist.

Eine zweite Kontrollfrage ergibt, dass  im Tagesgeschäft der Social Media-Bezug (27%) und die Webkommunikation mit annähernd 45% Bedeutung/Gewichtung taxiert werden. Dieses Ergebnis wird abgesichert durch die Kontrollfrage „Wie groß schätzen Sie den spezifischen Social Media  Anteil an Ihrem Tagesgeschäft?“. Hier erhalten wir einen gemittelten Wert von rund 39%. Bei einer Selbstzuschreibung von 7,5% „maßgeblicher Berufsexpertise“ in der Social-Media-Kommunikation (s. Punkt 9) wird das Dilemma deutlich. Hier liegt Arbeit vor dem DJV und seiner Fachgruppe.

(10)        Die prekäre Situation auf dieser digitalen Kompetenzebene findet ihren Niederschlag in zwei eindeutigen Ergebnissen der Online-Umfrage:
Aus den Antworten ergibt sich abschließend, dass sowohl die Arbeitgeber diese Social Media –Schwäche erkennen und (!) durch ermöglichte/bezahlte Fortbildung auszugleichen trachten:  42,5% der Fortbildungen werden für Erweiterung digitaler / Social Media-Kompetenz gewährt bzw. ermöglicht.

Sodann geben die Befragten an, ihrer verfügbaren Fortbildungszeiten in digitale (35%) und Social Media-Kompetenz (42,5%) zu investieren.  Angesichts dieser Resultate ist eindeutiger Handlungsbedarf erkennbar.

(11)    Die Umfrage hätte einen wichtigen, professionelle Gemeinschaft stiftenden Zweck nicht erfüllt, hätte sie nicht nach den Erwartungen der Fachgruppenmitglieder an den DJV Hessen als Interessenvertretung gefragt. Auch hier hat die Umfrage belastbare Ergebnisse gebracht.     

Mit gewichtigen Stimmanteilen,  von jeweils deutlich mehr als 50%, erklären die  Befragten der Fachgruppe für sich als prioritär, dass der DJV in der Zukunft

  • regelmäßige, qualitative gute Gelegenheiten zum Netzwerken bieten soll (83%)
  • regelmäßige Veranstaltungen zu Themen „über den Tellerrand hinaus“(78 %), mit anderen professionellen Vereinigungen, anbieten soll;
  • ein elektronischer Newsletter zu wichtigen professionellen Entwicklungen aus Umfeld der Öffentlichkeitsarbeit (73%) konzipiert und realisiert werden sollte.

(12)    Wir können festhalten, dass die inhaltliche Konzeption und die technische Umsetzung der durchaus detaillierten Online-Umfrage dem Erkenntnisinteresse der Fachgruppe sehr gut entsprochen haben. Die vier Seiten wurden von den Teilnehmenden gut angenommen und sorgfältig bearbeitet.

Aufgrund der gewonnen Ergebnisse erkennen wir für die Fachgruppe klare Handlungsaufträge. Dies gilt insbesondere auch im Hinblick auf die Thematik seriöser Professionalisierungsangebote für Fachgruppenmitglieder. Die gewonnenen Ergebnisse über Arbeitssituation und professionelle Lage der  Mitglieder der Fachgruppe in Hessen weisen (s.o.)  aus, dass eine verstärkte Zusammenarbeit mit und ein verbesserter Meinungsaustausch mit professionellen Partnerorganisationen gewünscht wird (Organisationen wie bspw. der DPRG, Pressesprecher-Verband, etc.).

Darüber hinaus ist die Steigerung der professionellen Attraktion des DJV für potentielle neue, junge Mitglieder (auch für die Fachgruppe) ein wichtiges Aktionsfeld und Desideratum angesichts der sich bietenden Altersstruktur.                                                                  Helmut von der Lahr


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