Dimension Weltall
DJV-"Europa-Talk" zum Weltraumkommando der Bundeswehr
Ansprechpartner*in
Michael Schwab
Die Zentrale des Weltraumkommandos der Bundeswehr, die einen Blick ins Weltall bietet
Generalmajor Michael Traut erläuterte im DJV-„Europa-Talk“, warum das Weltraumkommando der Bundeswehr so wichtig ist
Deutschlands Sicherheit hängt auch vom Weltraum ab
Nicht erst seit Hollywood ist die Menschheit von den unendlichen Weiten des Alls fasziniert. Allerdings erst mit dem sowjetischen Erdsatelliten Sputnik 1, der am 4. Oktober 1957 in eine Erdumlaufbahn geschickt wurde, ist es gelungen, Raumfahrt zu betreiben. Über 40.000 Objekte haben seither die Erde Richtung Weltall verlassen. „Das zeigt, wie rasant die Entwicklung war“, betonte Generalmajor Michael Traut in seinem Vortrag „Die Dimension Weltraum – Auftrag und Rolle des Weltraumkommandos der Bundeswehr.“ Als Gast des Fachausschusses Europa und Internationales des DJV Hessen referierte der Kommandeur des Weltraumkommandos im „Europa-Talk“ insbesondere auch über künftige Herausforderungen im All. Was Traut sehr am Herzen liegt: Er möchte Gesellschaft, Öffentlichkeit, Wirtschaft und Politik bewusst machen, „wie viel Weltraum schon in unserem täglichen Leben steckt.“ Und: Wie verwundbar diese kritische Infrastruktur ist.
Strategische Arena
Der Weltraum sei schon immer eine „strategische Arena“ gewesen. „Sputnik 1 war nicht nur ein Signal der Überlegenheit sowjetischer Technologie, sondern auch ein Warnsignal an die andere Seite der Welt: Wir können Los Angeles in 20 Minuten erreichen, wenn wir das wollen.“ Längst sei der Weltraum in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem Wirtschaftsraum mit kommerziellen Akteuren geworden. „Wir reden inzwischen von einem Wachstumsmarkt mit Wertschöpfungssummen von 500 Milliarden US-Dollar pro Jahr und einem Steigerungspotenzial im nächsten Jahrzehnt um das Dreifache“, wie Traut betonte. Die technologische Entwicklung werde also nicht mehr von Staaten oder militärischen Bereichen geprägt, sondern vielmehr von kommerziellen Betreibern. Das treffe einen Raum, der bislang „völkerrechtlich relativ gering geregelt ist.“ Lediglich der „Weltraumvertrag“ aus dem Jahr 1967 halte fest, dass „der Weltraum keinem gehört und allen frei zugänglich sein muss.“ Auch für den Mond gelte, dass er „keinem gehören soll.“
Immer mehr Raketenstarts
„Bezeichnend“ nannte Traut die rapide gestiegene Zahl der jährlichen Raketenstarts. Heute stiegen aus den USA dreimal pro Woche Raketen in den Weltraum auf, aus China ein bis zweimal die Woche und aus Russland immerhin 20 pro Jahr. Die „eigentlich traurige Zahl“ sei die der europäischen Starts: ganze drei im letzten Jahr. Darin spiegele sich sehr deutlich die Verteilung der Kräfteverhältnisse wider. Etwa die Hälfte dessen, was aus den USA heraus gestartet wurde, waren laut Traut kommerzielle Starts. Dieser Trend setze sich weiter fort und mache es immer billiger, in den Weltraum zu gelangen.
„Autobahn zum Mond“
Diese Entwicklung eröffne völlig neue Möglichkeiten. Satelliten könnten inzwischen im All gewartet, betankt und repariert werden. Auch über Fabriken im Orbit werde bereits nachgedacht, die Produkte robotisch „on demand“ herstellen können sollen. Selbst die „Autobahn zum Mond“ oder das Erschließen des Raums zwischen Erde und Mond stehen längst zur Debatte.
Essentiell für die nationale Sicherheit
Wie stellt sich Deutschland nun in der Erkenntnis auf, dass Gefahren der kritischen Infrastruktur drohen und der Weltraum essentiell für die nationale Sicherheit ist? In ihrer „Nationalen Sicherheitsstrategie“ formuliert es die Bundesregierung so: „Die sichere Nutzung des Weltraums ist für zivile Lebensbereiche unerlässlich.“ Um wirklich zu wissen, was sich im All bewegt, und „was der Eigentümer damit beabsichtigt“, ist es laut Traut notwendig, ein „Weltraumlagebild zu erstellen, zu erhalten und ständig zu pflegen. Diese Aufgabe erfülle das in der „Nationalen Sicherheitsstrategie“ erfreulicherweise erwähnte Weltraumlagezentrum, das die Bundeswehr und die Luftwaffe zusammen mit der Raumfahrtagentur des DLR seit 2011 ressortgemeinsam betreiben.
Gefahr durch Störungen
Warum dieses Lagezentrum gerade im Verbund mit dem Weltraumkommando so wichtig ist, verdeutlichte Traut unter anderem anhand einiger Beispiele Fall 1: Am 24.2.2022 habe es eine massive Störung eines satellitengestützten Kommunikationssystems gegeben, das insbesondere darauf abzielte, die ukrainischen Streitkräfte von Informationen abzuschneiden. Nebeneffekt dieser Störung: Gleichzeitig seien mehrere 1000 Windkraftanlagen in Europa von der Steuerung abgeschnitten worden. Dieser Angriff des Systems sei nur wenige Stunden zuvor erfolgt, bevor russische Truppen die ukrainische Grenze überschritten. Fall 2: Seit dem Ukrainekrieg bestünden in Ost-Europa massive Einschränkungen der satellitengestützten Navigations- und Positionierungsdienste, die auch „Einfluss auf den zivilen Flug- und Schiffsverkehr haben“ und laut Traut „damit die Sicherheit beeinträchtigen.“
China bald größte Weltraummacht
Auch China dürfe man nicht aus dem Blick verlieren. Das Land schicke sich an, bis 2049 die größte Weltraummacht werden zu wollen.
Nuklearer Sprengkörper
Auch bei der nuklearen Abschreckung habe der Weltraum immer schon eine Rolle gespielt. Amerikanische Quellen vermuten, dass Russland über entsprechende Fähigkeiten verfügt und Hinweise darauf bestehen, einen nuklearen Sprengkörper im Orbit zu positionieren. Das sei besorgniserregend.
Safety und Security
Den Aspekt der Weltraumsicherheit fasste Traut mit den beiden englischen Begriffen „Safety“ (der reine Sicherheitsaspekt) und „Security“ (Schutz) zusammen. Während „Safety“ auf den sicheren Betrieb von Weltraumsystemen bei etwa 12.000 Satelliten im All und potenziellen Gefahren durch Weltraumschrott abziele, habe „Security“ den Schutz vor Bedrohungen - wie stören, verfolgen und zerstören von Satelliten - im Blick. Ferner auch die Gefahrenabwehr durch Sensoren sowie massiven IT-Einsatz. Traut: „Deshalb gibt es seit zehn Jahren auch das Weltraumlagezentrum in Uedem.“
Trauts Fazit: „Aus unserer Sicht benötigen wir natürlich einen Ausbau unserer funktionalen Fähigkeiten, was Kommunikation und Aufklärung angeht, aber auch in anderen Bereichen, insbesondere der Frühwarnung vor ballistischen und Überschallflugkörpern oder Bedrohungen aus dem Weltall.“ Die vielfältigen Aufgaben könnten Deutschland und Europa, das selbst ein großer Weltraumakteur ist, allerdings nicht alleine bewältigen. Deshalb seien die USA nach wie vor „unser größter Partner“, wie der Kommandeur des Uedemer Weltraumkommandos betonte, der zugleich der festen Überzeugung ist, dass Deutschland eine „hervorragende industrielle und wissenschaftliche Basis“ habe. „Wir müssen uns nicht verstecken.“
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